| Notizen |
- Nicht zu verwechseln mit:
Kaiser Friedrich III. (1415–1493): Ein Neffe des Probanden (Sohn seines älteren Bruders Ernst des Eisernen). Er war Friedrichs größter politischer Rivale innerhalb der Familie, da er nach Friedrichs Reichsacht versuchte, die Kontrolle über Tirol zu erlangen. Durch die Zählung und zeitliche Überschneidung im 15. Jahrhundert werden Onkel und Neffe oft verwechselt.
Sigmund der Münzreiche (1427–1496): Der einzige Sohn und Nachfolger des Probanden als Regent von Tirol und Vorderösterreich. Sein Beinamen bildet das exakte finanzielle Gegenteil zur „leeren Tasche“ seines Vaters – eine bewusste historische Ironie, da er das von Friedrich sanierte und durch Silberbergbau reich gewordene Tirol übernahm.
Friedrich IV. von Nürnberg (1287–1332): Ein früherer Burggraf von Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern. Trotz der identischen Namensnummerierung gehört er einer anderen Region und Epoche an, taucht aber in rein numerischen Herrscherlisten parallel auf.
Friedrich IV. von der Pfalz (1574–1610): Ein viel späterer Kurfürst aus dem Haus Wittelsbach. Er gründete die Stadt Mannheim und ist historisch als Führer der Protestantischen Union bekannt.
Leopold IV. der Dicke (1371–1411): Ein älterer Bruder des Probanden. Er übernahm nach dem Tod des Vaters die Vormundschaft und Verwaltung der habsburgischen Besitzungen und stand in den ersten Regierungsjahren in ständigem Machtkampf mit Friedrich um die Aufteilung der Territorien.
-----
Friedrich IV. mit der leeren Tasche (* 1382; † 24. Juni 1439 in Innsbruck, Tirol) war Sohn von Herzog Leopold III. dem Gerechten und der Mailänder Herzogstochter Viridis Visconti. Ab dem Jahre 1402 verwaltete er als Titularherzog von Österreich die österreichischen Vorlande (>1)und war ab 1406 auch Graf von Tirol und Regent in Oberösterreich (>2).
Er begründete eine kurzlebige (Aeltere) Tiroler Linie (>3) der Habsburger. Sein populärer Beiname, der ursprünglich als Spottname entstanden sein soll, sowie die zahlreichen Legenden und Sagen rund um seine Persönlichkeit und sein Leben machen Friedrich zu einer der bekanntesten Figuren des Mittelalters in Tirol.
Friedrich, jüngster Sohn Leopolds III., und seine älteren Brüder Wilhelm, Leopold IV. und Ernst I. (Leopoldinische Linie der Habsburger) akzeptierten nach dem Tod ihres Vaters in der Schlacht bei Sempach im Jahr 1386 die Vormundschaft des Onkels Albrecht (Albert) III. Nach dessen Tod 1395 übernahmen sie gemeinsam mit ihrem Cousin Albrecht IV., der die Albertinische Linie der Habsburger weiterführte, die Herrschaft. Nach dem Vertrag von Hollenburg war Wilhelm Herzog in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und die Litorale) geworden. Leopold wurde Graf in Tirol und mit Erreichen des Mannesalters Friedrich 1402 mit der Regentschaft der habsburgischen Besitzungen in Vorderösterreich beauftragt. Dieser zog daraufhin nach Freiburg [im Breisgau].
Wilhelm starb im Jahre 1406. Leopold übernahm die herzogliche Regentschaft in Wien für seinen noch minderjährigen Neffen Albrecht V. (Albrecht IV. war schon 1404 verstorben). Ernst, der mit König Ruprecht auf Feldzug in Italien gewesen war, übernahm Innerösterreich und Friedrich mit 24 Jahren zusätzlich die Grafschaft Tirol. Seither spricht man von Oberösterreich für die gemeinsame Herrschaft Tirol, Vorarlberg und Vorderösterreich bis 1665.
Friedrich heiratete 1406 in Innsbruck die Prinzessin Elisabeth von der Pfalz (1381–1408), Tochter des römischen Königs Ruprecht von der Pfalz. Sie gebar ihm eine Tochter, die bald starb, und starb auch selbst nach dreijähriger Ehe.
Während seiner Regentschaft kam es zu außenpolitischen Konflikten mit den Appenzellern, seine Brüder beauftragten ihn mit einem Feldzug gegen diese (Appenzellerkriege (>4)). Er bot in Vorderösterreich eine starke ritterliche Streitmacht auf und sammelte sie in Arbon und Rheineck. Sie bestand vor allem aus Angehörigen des schwäbischen Adels sowie Kontingenten der habsburgischen Landstädte und der verbündeten Reichsstädte. Organisatorischer Mittelpunkt war die habsburgische Stadt Schaffhausen, wichtigster städtischer Verbündeter des Herzogs wurde die Stadt Konstanz. Das militärische Unternehmen endete mit einer Niederlage des Heeres Friedrichs in der Schlacht am Stoss (>5) in der Nähe von Gais am 17. Juni 1405. Die Erfolge der Appenzeller führten unter schwyzerischer Anleitung zur Gründung des Bundes ob dem See und zu erfolgreichen Einfällen in das Tiroler Oberinntal. Während zwei Jahren verbreiteten die Appenzeller Schrecken bei den Fürsten und Begeisterung und Freiheitshoffnungen bei den Bauern und Landleuten. Am 13. Januar 1408 erlitten sie jedoch bei Bregenz eine Niederlage gegen ein Heer des schwäbischen Ritterbundes Sankt Jörgenschild und der Bischöfe von Augsburg und Konstanz, wodurch sie ihren Ruf der Unbesiegbarkeit einbüßten. Die Appenzeller mussten sich in ihr Stammland zurückziehen. Der Bund ob dem See brach zusammen und wurde von König Ruprecht im Konstanzer Schiedsspruch vom 4. April 1408 aufgelöst. Dabei bestätigte er auch die Forderungen des Abts von St. Gallen gegen die Appenzeller. 1410 kam schließlich ein Friedensschluss zustande.
In diesen Jahren hatte Friedrich zusätzlich im Landesinneren gegen diverse Oppositionen des Adels (Elefantenbund im Jahr 1406, Falkenbund 1407) und revolutionäre Ideen im Süden (Trient) zu kämpfen. Von seinen politischen Gegnern erhielt er den Spottnamen 'mit der leeren Tasche', welcher ihn in der Folge populär machen sollte. 1407 kam es in Trient zu einer Revolution. Adelige und Bürger der Stadt erhoben sich unter der Führung von Rodolfo Belenzani gegen den Bischof Georg von Liechtenstein (1390–1419). Gleichzeitig kam es zu Bauernaufständen am Nonsberg und in anderen Teilen des Hochstifts Trient, so dass sich Herzog Friedrich zum Eingreifen veranlasst sah, sich gegen den Bischof wandte und ihn aus Trient vertrieb.
Rottenburger Fehde: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_IV._(Tirol)#Rottenburger_Fehde
1410 heiratete Friedrich in zweiter Ehe in Innsbruck die Prinzessin Anna von Braunschweig-Göttingen (1390–1432), Tochter des Herzogs Friedrich I. (Braunschweig-Wolfenbüttel). Von ihren vier gemeinsamen Kindern erreichte nur eines, Sigismund, geboren 1427, das Erwachsenenalter.
1411 starb auch sein zweiter Bruder, Leopold, Regent in Wien. Albrecht V., ihr gemeinsamer Neffe und erbberechtigter Herzog von Österreich, war die letzten Jahre unter Obhut von Ernst in Innerösterreich gewesen, nun, mit 1411, trat er sein Erbe an. Albrecht, Schwiegersohn Kaiser Sigismunds, richtete seine Aufmerksamkeit Richtung Böhmen, wo Sigismund in die Hussitenkämpfe verstrickt war. Ernst und Friedrich teilten die leopoldinischen Besitzungen unter sich, Ernst blieb bei Steiermark, Kärnten, Krain, Friedrich nahm zu Tirol und Vorderösterreich das Elsass und die Markgrafschaft Burgau in Schwaben.
Auch hatte Friedrich schon 1408, als der letzte der Laufenburger Linie (>6), Johann von Habsburg, gestorben war, die Grafschaft Laufenburg in Besitz – die Besitzungen der Kyburger Linie (>7) waren durchwegs verlorengegangen, aber der Titel des Grafen von Kyburg ging, als diese 1417 im Mannesstamm erloschen, an Friedrich.
Militärische Unternehmungen Friedrichs im Süden gegen Venedig führten 1413 zur Eroberung der Valsugana und zur Besetzung verschiedener Befestigungen, darunter auch Castel Telvana. Trotzdem mussten in der Folge Rovereto und Burgen in der Vallagarina (Lagertal) an die Republik Venedig abgetreten werden.
Ein Bündnis mit dem zum Konzil von Konstanz reisenden Gegenpapst Johannes XXIII. trug Herzog Friedrich am 15. Oktober 1414 zu Meran den Titel eines Generalkapitäns der römischen Kirche ein, brachte ihn aber bald in Bedrängnis. Nach Aufforderung Sigismunds begab sich Friedrich nach Konstanz und leistete am 4. Februar 1415 die verlangte Huldigung des Kaisers. Durch die Unterstützung, die er Papst Johannes bei dessen Flucht vom Konzil von Konstanz am 20. März zuteilwerden ließ, wurde Friedrich von den versammelten Reichsfürsten vorgeladen. Am 30. April traf Friedrich wieder in Konstanz ein und begann mit Kaiser Sigismund sofort über die Aufhebung seiner bereits verhängten Reichsacht zu verhandeln.
Er stellte sich am 5. Mai 1415 vor die Konstanzer Versammlung und erhielt auch die Aufhebung des Kirchenbanns und die kaiserliche Gnade, musste aber dafür am 7. Mai einige Gebiete der österreichischen Vorlande (Berner Aargau (>8), die Freien Ämter (>9), die Grafschaft Baden (>10) sowie das Kelleramt (>11)) an die Eidgenossen abtreten sowie seine Ländereien im Elsass, Breisgau, Schwaben und Tirol in die Hände des Kaisers legen. Fast elf Monate verblieb Friedrich als Geisel in Konstanz; die Abneigung gegen seine Person war derweil vielfach abgekühlt, und so wagte er am 30. März 1416, gemeinsam mit seinem späteren Kammerherrn Hans Wilhelm von Mülinen, die eigene Flucht aus Konstanz über Feldkirch zurück nach Tirol. Die Konstanzer Kirchenversammlung stellte für Herzog Friedrich eine insgesamt sehr schwierige politische und persönliche Krise dar. Obgleich er sich mit dem Kaiser zu jedem Vergleiche und sich der Kirche zur schweren Buße verpflichtete, welche ihm Papst Martin V. auferlegte, wurden seine territorialen und materiellen Verluste so groß, dass er vom Volksmund in dieser Zeit als „Friedel mit der leeren Tasche“ bespöttelt wurde.
Die Adelsrevolten: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_IV._(Tirol)#Die_Adelsrevolten
Friedrich übernahm nach dem Tod seines Bruders Ernst, am 10. Juni 1424, die Vormundschaft über dessen Söhne Friedrich und Albrecht bis zum Jahre 1436, als sie aus der Vormundschaft entlassen wurden.
Ab dem Jahre 1425 war Friedrichs Stellung gefestigt, und das Land erlebte durch Silberfunde in Schwaz und Gossensaß einen starken Aufschwung.
Der seit 1423 in Trient regierende neue Fürstbischof Alexander von Masowien betrieb zunächst eine Politik der Lösung von Tirol und versuchte eine Annäherung an Mailand und Venedig. Die Herrschaft des polnischen Fürsten führte allerdings zu Unruhen unter seinen Untertanen und 1435 schließlich zu einem neuerlichen blutigen Aufstand in Trient, den Friedrich für eine zweite Besetzung der Stadt durch Tiroler Truppen nützte.
Friedrich mit der leeren Tasche starb am 24. Juni 1439 in Innsbruck – keineswegs verarmt, sondern als reicher Mann; sein Sohn Siegmund wurde der Münzreiche genannt. Friedrich wurde im Kloster Stams beigesetzt, wo neben seiner Grabstätte auch eine Statue im so genannten „Österreichischen Grab“ an ihn erinnert.
Friedrich hatte aus seiner erster Ehe 1406 mit Elisabeth von der Pfalz, Tochter des Kurfürsten und römischen Königs Ruprecht III. von der Pfalz und seiner Ehefrau Burggräfin Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg, Tochter des Burggrafen Friedrich V. eine Tochter:
(1.1.) Elisabeth (*/† 1408)
Aus Friedrichs zweiter Ehe 1410 mit Anna von Braunschweig, Tochter des Herzogs Friedrich I. aus dem Haus der Welfen und dessen Ehefrau Prinzessin Anna von Sachsen-Wittenberg aus dem Haus der Askanier stammen vier Kinder:
(2.1.) Margarethe (1423–9. Juni 1424)
(2.2.) Hedwig (1424 – 21. Februar 1427 oder 1432[28])
(2.3.) Wolfgang (* / † 16. Februar 1426)
(2.4.) Siegmund der Münzreiche (1427–1496), (Erz-)Herzog von Österreich, gefürsteter Graf von Tirol etc.
Mit Siegmund (2.4.), der ohne Nachkommen stirbt, endet die Tiroler Nebenlinie der Habsburgischen Leopoldiner.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_IV._(Tirol)
-----
>1: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorder%C3%B6sterreich
>2: https://de.wikipedia.org/wiki/Ober%C3%B6sterreich_(Habsburg)
>3: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84ltere_Tiroler_Linie
>4: https://de.wikipedia.org/wiki/Appenzellerkriege
>5: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Stoss
>6: https://de.wikipedia.org/wiki/Laufenburger_Linie
>7: https://de.wikipedia.org/wiki/Neu-Kyburg_(Adelsgeschlecht)
>8: https://de.wikipedia.org/wiki/Berner_Aargau
>9: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiamt_(Schweiz)
>10: https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Baden
>11: https://de.wikipedia.org/wiki/Kelleramt
|