Fam. Schachtler-Risi

Arabella STUART

Arabella STUART

weiblich um 1575 - 1615  (~ 40 Jahre)


Angaben zur Person    |    Notizen    |    Quellen    |    Ereignis-Karte    |    Alle

  • Name Arabella STUART  [1] 
    Geburt um 1575  Rufford, Nottinghamshire, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht weiblich 
    Dynasty Steward  [2] 
    Find A Grave https://de.findagrave.com/memorial/59178548/arbella-seymour 
    Tod 25 Sep 1615  London, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    • Tower of London
    Beerdigung Westminster, London, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    • Westminster Abbey: dasselbe Gewölbe wie Maria, Königin der Schotten, im südlichen Seitenschiff der Marienkapelle von Heinrich VII.
    Personen-Kennung I20151  schap
    Zuletzt bearbeitet am 31 Okt 2026 

    Vater Charles STUART, 1. Earl of Lennox,   geb. zwischen 1556 und 1557, Rufford, Nottinghamshire, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ortgest. 18 Apr 1576, London, Middlesex, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort (Alter ~ 20 Jahre) 
    Beziehung natural 
    Mutter Elizabeth CAVENDISH,   geb. 31 Mrz 1555, Chatsworth, Derbyshire, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ortgest. um 21 Jan 1582, Frome, Somerset, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort (Alter 26 Jahre) 
    Beziehung natural 
    Notizen 
    • Kinder:
      F Lady Arbella STUART: * 1575; + 1615. oo (1610) William Seymour, 2. Duke of Somerset
    Familien-Kennung F11205  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie William SEYMOUR 
    Eheschließung 22 Jun 1610  Greenwich, Kent, England Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F11221  Familienblatt  |  Familientafel
    Zuletzt bearbeitet am 31 Okt 2026 

  • Ereignis-Karte
    Link zu Google MapsTod - 25 Sep 1615 - London, England Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsBeerdigung - - Westminster, London, England Link zu Google Earth
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    Pin-Bedeutungen  : Adresse       : Ortsteil       : Ort       : Region       : (Bundes-)Staat/-Land       : Land       : Nicht festgelegt

  • Notizen 
    • Lady Arbella Stuart (auch Arabella, Arbelle) (verheiratete Seymour, * 1575; † 27. September 1615 im Tower of London) war eine englische Adlige, Nichte der schottischen Königin Maria Stuart, Cousine des Königs Jakob I. und eine Ehrendame seiner Ehefrau Königin Anna. Ueber ihre Großmutter Margaret Douglas war sie eine Urenkelin der englischen Prinzessin und schottischen Königin Margaret Tudor und somit eine entfernte Verwandte von Königin Elisabeth. - In Elisabeths letzten Jahren wurde Arbella im In- und Ausland lange Zeit als mögliche Thronfolgerin gehandelt, da sie im Gegensatz zu Jakob von englischer Geburt war. Sie wurde daher auf Befehl Elisabeths bis zu ihrem 27. Lebensjahr unter strenger Obhut ihrer Großmutter mütterlicherseits, Bess of Hardwick, gehalten. Um ihrem eingeengten Dasein zu entfliehen, verstrickte sich Arbella mehrere Male in Komplotten. So versuchte sie heimlich eine Ehe mit einem weiteren Thronprätendenten zu schließen und behauptete, mit Hilfe eines erfundenen Liebhabers Verschwörungen gegen Königin Elisabeth aufdecken zu wollen. Aus diesem Grund hielten Zeitgenossen sie streckenweise für geistesgestört. - Erst unter Jakobs Herrschaft durfte Arbella an den Hof zurückkehren. Nach einer unerlaubten Heirat mit William Seymour, Enkel der ebenfalls königlichen Lady Catherine Grey, ließ Jakob seine Cousine bis zu ihrem Tod inhaftieren.
      Arbella war das einzige Kind von Charles Stewart, 1. Earl of Lennox (1557-1576), aus dessen Ehe mit Elizabeth Cavendish (1555-1582). Als Tochter eines Earls führte sie seit Geburt das Höflichkeitspraedikat Lady. Die Ehe ihrer Eltern begann turbulent. Charles Stewarts Mutter war Margaret Douglas, Tochter der englischen Prinzessin und Königin von Schottland, Margaret Tudor. Somit war Charles ein potentieller Thronfolger, weshalb er für eine Heirat die Erlaubnis der Königin Elisabeth I. benötigte. Während eines Besuchs seiner Mutter Margaret Douglas bei Bess of Hardwick heiratete er jedoch völlig unerwartet Elizabeth Cavendish. Charles’ älterer Bruder Henry Stuart, Lord Darnley, hatte seinerzeit ohne Erlaubnis die schottische Königin Maria Stuart geheiratet, weshalb Elisabeth der Familie misstraute. Noch explosiver war die Tatsache, dass Bess’ Ehemann George Talbot, 6. Earl of Shrewsbury, Wächter der gefangenen Maria Stuart war und diese beherbergte. Abgesehen davon war Königin Elisabeth außer sich, dass ein weiterer Verwandter ohne Erlaubnis geheiratet hatte. Wenig später fand sich Margaret Douglas für die Ehe ihres Sohnes zum dritten Mal im Tower of London inhaftiert, wenngleich sie nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde.
      Arbellas genaues Geburtsdatum ist unbekannt. - Ein Jahr nach ihrer Geburt starb ihr Vater Charles, und Arbella lebte bis zum Frühling 1578 bei ihrer Großmutter Margaret Douglas, der sie laut Zeitgenossen sehr ähnlich sah. Obwohl sie als Charles’ Tochter Ansprüche auf dessen Nachlass einschließlich des Titels einer Countess of Lennox gehabt hätte, verweigerten ihr die Schotten die dazugehörigen Ländereien und verliehen den Titel stattdessen dem nächstberechtigten männlichen Verwandten, einem Onkel ihres Vaters.
      Margaret Douglas starb im März 1578 und vermachte Arbella ihre Juwelen. Allerdings behauptete ihr Testamentsvollstrecker Fowler wenig später, sie seien ihm gestohlen worden. Pikanterweise fanden die Juwelen ihren Weg zu Arbellas Cousin Jakob, weshalb mitunter vermutet wird, dass Fowler sie nach Schottland schmuggelte. Auch sonst blieb Arbella wenig vom Erbe ihrer Großmutter. Kurz nach Margaret Douglas’ Beerdigung konfiszierte Königin Elisabeth die verbliebenen Lennox-Ländereien als Gegenleistung für das fürstliche Begräbnis, das sie ihrer Cousine ausgerichtet hatte. Am 21. Januar 1582 starb Arbellas Mutter. Sie wurde nun in die Obhut ihrer zweiten Großmutter gegeben, Bess of Hardwick, die das Kind als ihr „Juwel“ bezeichnete.
      Bess setzte wenige Tage nach Elizabeths Tod alle Hebel in Bewegung, um Arbella eine Leibrente zu sichern. Auch betrachtete sie es als ihre Pflicht, dem Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen, wie sie einer Prinzessin zustand. Arbella erhielt daher Unterricht in Latein, Italienisch, Französisch, Spanisch, Griechisch und sogar Hebräisch. Da Bess eine Zeitlang mit Maria Stuart befreundet war und viel Zeit mit ihr verbrachte, ist es möglich, dass Arbella ihre angeheiratete Tante persönlich kannte. Nach Marias Hinrichtung erbte Arbella ihr Book of Hours, eine Mischung aus Gebetbuch und Tagebuch.
      Durch ihre Abstammung von Margaret Tudor hatte Arbella einen Anspruch auf die englische Krone. Elisabeth selbst war alt und kinderlos, weshalb die Linie Heinrichs VIII. mit ihr ausstürbe. Somit rückten die Nachkommen seiner Schwestern Margaret und Mary Tudor in den Vordergrund. Laut der Gesetze der Primogenitur standen die Nachkommen Margaret Tudors an erster Stelle, da Margaret die älteste Schwester war. Margarets Urenkel Jakob I., Sohn Maria Stuarts und ihres Cousins Henry Stuart, Lord Darnley, war bereits König von Schottland und hatte den besten Anspruch. Seine beiden Eltern stammten von Margaret Tudor ab, Maria Stuart von der älteren Linie mit der höchsten Seniorität. Allerdings waren Ausländer traditionell von der englischen Thronfolge ausgeschlossen, weshalb sein Anspruch nicht unangefochten war.
      Weitere Abkömmlinge Margaret Tudors waren die Nachkommen ihrer Tochter Margaret Douglas. Ihre Söhne, Lord Darnley und Charles Stuart, starben früh und vermachten ihren Anspruch auf den Thron ihren jeweiligen Kindern - Jakob und Arbella. Manche Zeitgenossen fanden Arbellas Recht für besser begründet als das Jakobs, weil sie im Gegensatz zu ihm in England geboren war. Einige hielten sie für die rechtmäßige Nachfolgerin Königin Elisabeths. Problematisch war, dass Heinrich VIII. in seinem Testament Margaret Tudors Nachkommen von der Thronfolge ausgeschlossen und stattdessen die Nachkommen seiner jüngeren Schwester Mary begünstigt hatte.
      Elisabeth bevorzugte jedoch zeit ihres Lebens den Anspruch Maria Stuarts und später Jakob I., fürchtete aber stets, sich durch die vorzeitige Benennung eines Nachfolgers verwundbar zu machen. Daher nutzte sie Arbellas Existenz, um Jakob im Ungewissen zu halten.
      Arbella war sich ihres besonderen Status durchaus bewusst. Ihre Großmutter Bess bestand darauf, dass die Diener zu Hause vor ihr knieten und sie mit „Hoheit“ ansprachen. Auch war sie durch ihre königliche Abstammung eine begehrte Partie. Schon 1584 hatte der langjährige Favorit der Königin, Robert Dudley, 1. Earl of Leicester, für seinen Sohn um Arbellas Hand geworben. Allerdings starb der Junge kurz darauf. Königin Elisabeth nutzte Arbellas königliche Abstammung eine Weile für Heiratsversprechen mit dem Ausland, um sich politische Bündnisse offen zu halten.
      Als Arbella im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal bei Hofe erscheinen durfte, empfing die Königin sie mit allen Ehren und erlaubte ihr, während des Essens an ihrem Tisch neben ihr zu sitzen, eine außergewöhnliche Ehre. Doch bereits ein Jahr später, als Arbella ein weiteres Mal bei Hofe war, ereignete sich ein Zwischenfall, der dazu führte, dass die Königin Arbella nach Hause sandte.
      Von allen Streitigkeiten bei Hofe abgesehen war die Königin vollauf mit Vorbereitungen gegen die Spanische Armada beschäftigt und hatte daher allen Grund, sämtliche Mitglieder der königlichen Familie so weit wie möglich von eventuellen Kriegsschauplaetzen zu entfernen. In jedem Fall wurde Arbella nach Wingfield, Derbyshire geschickt.
      Obwohl die Bedrohung durch die Armada abgewandt wurde, verblieb Arbella unter der Vormundschaft ihrer Großmutter. Allerdings begannen sich erste Konflikte abzuzeichnen. Kurz nach dem Sieg über die Armada bat Nicholas Kinnersley, Verwalter von Wingfield, Bess moege kommen und ihre Enkelin zur Ordnung rufen, da diese sich seit sechs Tagen geweigert hatte, zum Unterricht zu erscheinen. - Erst im Jahr 1591 wurde sie an den Hof zurückgerufen, offiziell um ihre Heirat zu besprechen und dafür Porträts von ihr anfertigen zu lassen. Gemeinsam mit ihrer Großmutter verbrachte sie das Weihnachtsfest bei Hofe. Auch wurde sie zum ersten Mal per Brief von ihrem Cousin König Jakob kontaktiert. Im Frühjahr 1592 verließ sie den Hof wieder. Sie sollte ihn für den Rest von Elisabeths Herrschaft nicht wieder betreten.
      Die nächsten Jahre verbrachte Arbella isoliert auf dem Lande unter der Obhut ihrer Großmutter, mit der sie sich immer häufiger im Konflikt befand. Bess hielt sie unter sehr strenger Aufsicht.
      Grund für diese strenge Bewachung waren u. a. Gerüchte, dass die Katholiken planten, Arbella nach Flandern zu entführen, sei es, um sie später als Königin zu inthronisieren oder um Platz zu schaffen für die katholischen Nachkommen Margaret Cliffords, einer Enkelin Mary Tudors. Ueber Arbellas Religion wurde spekuliert, doch sie selbst sagte, sie würde mit „Papisten, Türken, Juden oder Ungläubigen“ gehen, wenn es ihr nur die Freiheit gab.
      Im Laufe der Jahre empfand sie das Leben mit ihrer Großmutter als immer restriktiver, doch Elisabeths Rat, insbesondere Robert Cecil, war damit beschäftigt, eine friedliche Thronbesteigung König Jakobs vorzubereiten. Aus diesem Grund hatten sie kein Interesse daran, dass Jakobs Rivalin Arbella öffentliche Aufmerksamkeit erregte und möglicherweise Verbündete um sich scharte. Durch ihre Isolation war Arbella nicht in der Lage, Anhänger zu finden, um ihren Anspruch auf den Thron zu verteidigen.
      Nach jahrelangen Kämpfen mit ihrer alternden Großmutter und ohne Aussicht auf eine Ehe nahm Arbella, mittlerweile 27 Jahre alt, im Frühling 1603 Kontakt zu Edward Seymour, 1. Earl of Hertford, auf und schlug ihm eine Ehe zwischen ihr und seinem Enkel Edward vor. Da Seymours Enkel von Catherine Grey abstammte, einer Enkelin Mary Tudors, hätte eine solche Ehe eine dynastische Bedrohung für Königin Elisabeth und ihren bevorzugten Thronfolger Jakob dargestellt. Arbella beauftragte also John Dodderidge, einen Angestellten, Hertford die Botschaft zu überbringen, dass ihre Onkel an dieser Ehe interessiert seien. Auch bat sie, dass ihr potentieller Bräutigam Edward Seymour unter einem fantasievollen Vorwand und ausgestattet mit geheimen Erkennungszeichen zu ihr kommen sollte, damit sie sehen konnte, „ob sie einander mögen könnten“.
      Ihr ausgetueftelter, komplizierter Plan machte die Sache noch verdächtiger, als sie ohnehin schon war. Hertford, der für seine Ehe mit Catherine selbst im Tower gesessen hatte, distanzierte sich daher eiligst von Arbella und schaltete den Kronrat ein. Elisabeth, außer sich über eine erneute potentielle unerlaubte Heirat, entsandte Sir Henry Brounker zu Arbella, der sie tagelang befragte und verhörte. Zunächst leugnete Arbella, jemals mit Hertford in Kontakt getreten zu sein, doch angesichts des geständnisses, das Dodderidge abgelegt hatte, geriet sie in Panik. Brounker legte ihr nahe, einen Bericht über ihre sämtlichen Handlungen zu schreiben, doch ihr erster Entwurf war „konfus“. Er verbrachte Tage damit, Arbella einen vernünftigen Bericht abzuringen und kam dabei mehr und mehr zu der Auffassung, dass „ihr Verstand völlig durcheinander war, entweder aus Angst vor ihrer Großmutter oder aus eigener Einbildung“. Der Gedanke, dass Arbella nicht bei Verstand war, sollte später erneut zu ihrem Nachteil aufgegriffen werden.
      In den nächsten Wochen wurde Arbella scharf beobachtet, ihre Briefe abgefangen und geöffnet. Bess of Hardwick, die ihre Enkelin immer schwieriger fand, bat die Königin darum, Arbella in die Obhut eines anderen geben zu dürfen. Doch zu ihrer beider Frustration wurde angeordnet, dass Arbella bei Bess blieb. Bess selbst schrieb mehrere Bittbriefe an Elisabeth, da der Konflikt zwischen ihr und Arbella eskalierte. Beides wurde von der Königin ignoriert.
      Da unerlaubte Liebschaften die einzige Möglichkeit schienen, Aufmerksamkeit auf ihre unglücklichen Umstände zu lenken, griff Arbella schließlich auf einen angeblichen Liebhaber zurück. Im Verlauf des Frühjahrs schrieb sie diverse Briefe an den Hof, deren Inhalt so verworren war, dass an ihrer geistigen Gesundheit gezweifelt wurde. In ihren Briefen drängte sie darauf, endlich als erwachsene Frau agieren und ihre Diener und Freunde selbst aussuchen zu dürfen. Aus ihren Briefen geht hervor, dass es für sie in Hardwick Hall keine Privatsphäre gab, da ihre Großmutter ihr in alle Räume folgte und Arbellas Diener einschuechterte.
      Ende März 1603 starb Königin Elisabeth, und Jakob, König von Schottland, folgte ihr auf den Thron. Das Angebot, auf Elisabeths Beerdigung als Chief Mourner zu agieren, eine hochangesehene, zeremonielle Aufgabe, lehnte sie ab mit der Begründung, dass ihr zu Lebzeiten der Königin jeder persönliche Kontakt verweigert worden war und sie nicht nach ihrem Tod für ein Massenspektakel auf die Bühne gebracht werden wollte. Jakob empfing seine Cousine bei Hofe und gestattete ihr, selbst zu entscheiden, wo sie leben wollte. Arbella bezog daraufhin Sheen und konzentrierte sich zunächst darauf, ihr Jahreseinkommen zu sichern. Mit der Ankunft Königin Annas wurde Arbella ihre Ehrendame. Oft trug sie die Schleppe der Königin und erhielt nach ihr den Vortritt vor allen anderen Damen bei Hofe. Dennoch lebte sie, von offiziellen Auftritten abgesehen, eher zurückgezogen.
      Nur kurze Zeit nach Arbellas Ankunft bei Hofe wurde sie der Mittelpunkt einer Verschwörung gegen König Jakob. Laut offizieller Lesart hatten mehrere Adlige, unter ihnen Sir Walter Raleigh, die Ermordung des Königs und seines ältesten Sohnes Henry geplant, um Arbella auf den Thron zu bringen. Zu diesem Zweck sandte Lord Cobham ihr einen kompromittierenden Brief, in dem er sie anwies, mit dem spanischen König Philipp III. in Kontakt zu treten. Sie sollte laut Cobham Toleranz für Katholiken und keine weitere Unterstützung für niederländische Protestanten versprechen und ohne seine Erlaubnis keine Ehe schließen. Da sich unautorisierter Kontakt zu ausländischen Monarchen an der Grenze zum Hochverrat bewegte, händigte Arbella den Brief sofort der Obrigkeit aus. Bei Raleighs Gerichtsverhandlung war Arbella zugegen und wurde von Robert Cecil energisch verteidigt.
      Historiker sind sich uneins, ob Arbella tatsächlich ahnungslos war. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie Jakobs wachsende Unbeliebtheit zu ihren Gunsten nutzen wollte. Andererseits ist es eben so gut möglich, dass Robert Cecil von der Verschwörung wusste und Arbella nutzte, um sie zu einem kontrollierten Ende zu bringen. Offiziell konnte Arbella keine Schuld nachgewiesen werden, Raleigh hingegen wurde für schuldig befunden.
      Anstelle der in ihren Augen kindischen Spiele bei Hofe beschäftigte sich Arbella lieber mit ihrer Lektüre und wurde gerühmt für ihre Gelehrsamkeit.
      Trotz finanzieller Schwierigkeiten lebte Arbella mehrere Jahre am englischen Hof, unterbrochen lediglich von Besuchen ihrer Familie. Im Jahr 1609 allerdings deutete sich eine Krise an. Mit ihren vierunddreißig Jahren hatte Arbella längst das übliche Alter für Eheschließungen überschritten und aufgrund ihrer königlichen Abstammung benötigte sie Jakobs Erlaubnis für eine Heirat. Abgesehen von vagen Versprechungen, ihr bei ihrer Hochzeit all ihre Ländereien zurückzugeben, hatte der König keine Anstalten gemacht, seine Cousine zu verheiraten, obwohl es Bewerber um ihre Hand gab. Möglicherweise war Jakob daran gelegen, dass sie unverheiratet blieb, da ihre legitimen Kinder einen Anspruch auf den Thron gehabt und somit potentielle Rivalen für seine eigenen Erben dargestellt hätten. Gerüchte um eine angeblich geplante Hochzeit Arbellas mit einem Schotten aus der Familie ihrer Großmutter Margaret Douglas ließen sie im Dezember 1609 in Ungnade fallen. Der venezianische Botschafter Correr schrieb im Januar 1610, dass Arbella sich über ihr geringes Budget beschwerte und um Erlaubnis bat, heiraten zu dürfen. In dem Versuch, seine Cousine zu beschwichtigen, erhöhte Jakob ihre Leibrente, ohne ihr jedoch einen Heiratskandidaten vorzuschlagen.
      Schließlich ergriff Arbella selbst die Initiative. Am 2. Februar 1610 verlobte sie sich heimlich und ohne Wissen des Königs mit Sir William Seymour, einem Enkel Catherine Greys. Somit stammte er von Mary Tudor ab, deren Nachkommen dem Testament Heinrichs VIII. zufolge die rechtmäßigen Thronerben waren. Wann die beiden sich zum ersten Mal trafen und ob es ursprünglich eine Liebesheirat war, ist unbekannt. Möglicherweise war sie zunächst praktisch motiviert, da sie als Angehörige der Königsfamilie nur eine begrenzte Auswahl an potentiellen Ehemännern hatte. Der fast dreizehn Jahre jüngere Seymour war ein passender Kandidat. Dennoch scheinen Arbellas Gefühle durchaus eine Rolle gespielt zu haben, wie sich aus einem späteren Brief von ihr an ihm herleiten lässt.
      Relativ schnell sickerte die Nachricht von dieser Verbindung zum König durch, der eine Untersuchung anberaumte. Seymour schwor, er und Arbella hätten sich zwar verlobt, aber ohne Erlaubnis des Königs keine weiteren Schritte unternehmen wollen. Beide kamen mit einer scharfen Verwarnung davon, die Arbella allerdings dahingehend interpretierte, dass es ihr lediglich nicht gestattet war, einen Ausländer zu heiraten. Im Juni heirateten die beiden heimlich im Kreise weniger Freunde. Am 8. Juli wurde Seymour verhaftet, einen Tag später auch Arbella. Beiden wurde vorgeworfen, ihr Versprechen gebrochen zu haben. Arbella verteidigte sich und ihren Mann damit, dass auch Abraham und Isaak ihre Ehefrauen zeitweilig verleugnet hatten.
      Königin Anna und Prinz Henry versuchten zwischen dem König und Arbella zu vermitteln. Auch Arbella schrieb mehrere Petitionen an den König, doch Jakob ließ sich nicht erweichen. Politische Unruhen in Europa hatten in England Misstrauen und Unsicherheit geschürt. Katholiken war es verboten, in die Nähe des Hofes zu kommen und selbst die Feierlichkeiten, die Henry zum Fürsten von Wales machten, wurden abgekürzt, da Jakob sich von der Beliebtheit seines Sohnes bedroht fühlte. Arbellas Ehe mit Seymour stellte eine noch größere Bedrohung für ihn dar, da sie eine Alternative zu ihm darstellten. Die Lage spitzte sich zu, als Gerüchte umgingen, dass Arbella mit Seymours Kind schwanger war und eine Fehlgeburt erlitten hätte. Im Januar 1611 erhielt Arbella schließlich die Nachricht, dass Seymour zu lebenslanger Haft im Tower of London verurteilt worden war und sie selbst unter die Aufsicht des Bischofs von Durham gestellt wurde.
      Arbella, inzwischen krank, schrieb panische Briefe an verschiedene Adlige, obwohl sie einige nur vom Namen her kannte und flehte sie um Hilfe an. Als Jakobs Delegation kam, um sie nach Norden zu bringen, weigerte sie sich das Bett zu verlassen, so dass man sie schließlich mitsamt der Matratze hinaustrug. Ihre Krankheit verzögerte die Reise in den Norden enorm und Arbella nutzte die Zeit, um Pläne zu schmieden. Ihre Tante Mary Talbot unterstützte sie darin, Geld beiseitezulegen, um dem Paar einen Neubeginn in Europa zu ermöglichen. Da Arbella und Seymour nach wie vor in Briefkontakt standen, war es ihnen möglich, ihre Aktionen zu koordinieren.
      Am Montag, dem 3. Juni, flohen Arbella und Seymour aus ihren jeweiligen Gefängnissen. Arbella verkleidete sich als Mann, um unerkannt zu entkommen. Seymour nutzte die Tatsache, dass er sich innerhalb der Festungsmauern frei bewegen durfte. Zeitgenossen zufolge tauschte er die Kleider mit seinem Barbier und verließ den Tower unbehelligt. Allerdings verzögerte sich seine Flucht, so dass er nicht rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt erschien. Arbella verlor wertvolle Zeit, als sie auf ihn wartete und erreichte den Hafen von Leigh unter ungünstigen Witterungsbedingungen, was sie noch mehr Zeit kostete. Da sie hoffte, noch vor der Landung in Frankreich wieder auf Seymour zu treffen, ließ sie das Schiff länger als nötig im Aermelkanal kreuzen. Nur wenig später wurde sie von einem englischen Schiff aufgegriffen, das wenige Stunden zuvor Order erhalten hatte, alle Schiffe zu durchsuchen. Seymour, der aufgrund des Wetters noch in England geblieben war, verließ am Donnerstag, dem 6. Juni, England und erreichte einen Tag später sicher Ostende.
      Als Verwandte des Königs hatte Arbella Anspruch auf die besseren Gemächer im Tower, durfte jedoch, anders als zuvor Seymour, die Räume nicht verlassen. Sie wurde deutlich strenger behandelt als ihre ebenfalls gefangene Tante Mary Talbot und ihre Petitionen für Freilassung wurden ignoriert. Nach ihren Briefen zu schließen sah Arbella nicht ein, dass sie etwas Unrechtes getan hatte, obwohl die Auswanderung ohne Erlaubnis sowie Ausbruch aus dem Gefängnis nach damaligem Recht durchaus Verbrechen waren. Anders als ihre Tante wurde Arbella auch niemals vor Gericht gestellt. Im Jahr 1612 starb zudem Robert Cecil, der stets ein Vermittler zwischen ihr und dem König gewesen war. Nur wenig später wurde auch ihre Leibrente gekürzt, ein harter Schlag, da sie für ihren Unterhalt im Tower selbst aufkommen musste. Dennoch bestellte sie anlässlich der Hochzeit von Jakobs Tochter Elisabeth Stuart im Jahr 1613 vier teure neue Kleider in der irrigen Annahme, sie würde zu den Festlichkeiten eingeladen werden.
      Während ihrer Haft zerstritt sich Arbella obendrein mit ihrer Tante Mary Talbot, die ihr jahrelang zur Seite gestanden hatte. Arbellas Angaben zufolge hatte Mary versucht, sie zum Katholizismus zu bekehren. Da immer wieder Gerüchte aufkamen, dass die Katholiken versuchten, Arbella zu befreien, wurde sie vom Aufseher des Towers, Sir William Wade, verhört. Arbellas Geschichte erinnerte jedoch stark an ihren Versuch, Königin Elisabeths Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Mary Talbot behauptete, ihre Nichte sei nicht bei Verstand gewesen, als sie diese Anklage erhob. Zu ihrer Aussage passt, dass Arbella in dieser Zeit mehrere heftige Krankheitsanfälle erlitt, möglicherweise aufgrund von Porphyrie. Dennoch sorgte Arbella einmal mehr für Aufmerksamkeit, als sie heimlich eine Kopie ihres Zellenschlüssels anfertigte und ihn Jakob überreichte, als Zeichen dafür, dass sie sich ihm unterwarf, obwohl sie hätte entkommen können. Jakob allerdings sah es als einen weiteren Beweis für ihre Widerspenstigkeit und Arroganz.
      Ueber Arbellas letztes Jahr ist wenig bekannt. Im Sommer 1614 wurden Vorbereitungen getroffen, sie für längere Zeit im Tower zu behalten und ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr. Im Herbst wurde sie bettlägerig, weigerte sich aber, sich von Aerzten untersuchen zu lassen. Schließlich verweigerte sie die Nahrung und starb am 25. September 1615. Obwohl Gift vermutet wurde, lautete die offizielle Lesart, dass sie verhungerte. Sie wurde in Westminster Abbey in der Gruft ihrer Tante Maria Stuart beerdigt.
      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbella_Stuart

  • Quellen 
    1. [S195] Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Arbella Stuart.
      Lady Arbella Stuart (auch Arabella, Arbelle) (verheiratete Seymour, * 1575; † 27. September 1615 im Tower of London) war eine englische Adlige, Nichte der schottischen Königin Maria Stuart, Cousine des Königs Jakob I. und eine Ehrendame seiner Ehefrau Königin Anna. Ueber ihre Großmutter Margaret Douglas war sie eine Urenkelin der englischen Prinzessin und schottischen Königin Margaret Tudor und somit eine entfernte Verwandte von Königin Elisabeth.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Arbella_Stuart

    2. [S179] Stammlisten - Herrscherlisten, (Name: wikipedia et alt.;), Stewart (Haus).
      Das Haus Stewart (auch Clan Stewart) ist eine schottische Adelsfamilie. Die Hauptlinie der Familie stellte von 1371 bis 1587 die Könige von Schottland. Danach fiel die schottische Krone durch Ehe an eine Nebenlinie desselben Hauses, die Haus Stuart genannt wurde und ab 1603 in Personalunion auch die Könige von England und Irland stellte. Das königliche Haus Stuart wurde 1714 durch das Haus Hannover auf dem britischen Thron abgelöst und starb 1807 im Mannesstamm aus. Ältere Seitenlinien und Bastardlinien existieren bis heute.

      mit Stammliste der schottischen Adelsfamilie Stewart

      https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_des_Hauses_Stewart