Fam. Schachtler-Risi

Anna VON SACHSEN

Anna VON SACHSEN

weiblich 1544 - 1577  (32 Jahre)


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  • Name Anna VON SACHSEN  [1, 2] 
    Geburt 23 Dez 1544  Dresden, Sachsen, Germany Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht weiblich 
    Tod 18 Dez 1577  Dresden, Sachsen, Germany Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Beerdigung Meissen, Saxony, Germany Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    • rechts vom Eingang der Fürstenkapelle des Meißener Doms
    Personen-Kennung I18553  schap
    Zuletzt bearbeitet am 31 Okt 2026 

    Familie Wilhelm IVon NASSAU-DILLENBURG,   geb. 24 Apr 1533, Dillenburg, Lahn-Dill-Kreis, Hesse, Germany Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ortgest. 10 Jul 1584, Delft, Zuid-Holland, Netherlands Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort (Alter 51 Jahre) 
    Eheschließung 24 Aug 1561  Leipzig, Sachsen, Germany Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Scheidung zwischen 1571 und 1574 
    Notizen 
    • Kinder:
      F Anna VON NASSAU; * 31 Okt 1562; + wenige Tage später
      F Anna VON NASSAU; * 1563; + 1588; oo (1587) Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg (1560-1620), Sohn von Johann VI. von Nassau-Dillenburg
      M Moritz VON NASSAU; * 08 Dez 1564; + Mrz 1566
      M Moritz VON NASSAU; * 1567; + 1625; Statthalter der Niederlande
      F Emilia VON NASSAU; * 1569; + 1629; oo (1597) Emanuel (I.) von Portugal (1568-1638)
      und
      F Christine VON DIEZ (von Wilhelm I. von Oranien-Nassau nicht anerkannt); * 22. August 1571; + 1636<
    Familien-Kennung F10324  Familienblatt  |  Familientafel
    Zuletzt bearbeitet am 31 Okt 2026 

  • Ereignis-Karte
    Link zu Google MapsGeburt - 23 Dez 1544 - Dresden, Sachsen, Germany Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEheschließung - 24 Aug 1561 - Leipzig, Sachsen, Germany Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsTod - 18 Dez 1577 - Dresden, Sachsen, Germany Link zu Google Earth
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  • Fotos
    Anna von Sachsen
    Anna von Sachsen

  • Notizen 
    • Anna von Sachsen (* 23. Dezember 1544 in Dresden; † 18. Dezember 1577 ebenda) war die Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen und der Agnes von Hessen und die zweite Frau von Wilhelm von Oranien. - 1561 heiratete Anna den aus Nassau-Dillenburg stammenden Prinzen von Oranien, den wohlhabendsten und einflussreichsten Adeligen der Niederlande, und zog mit ihm auf Schloss Breda. Die Verbindung von Anna und Wilhelm entwickelte sich zur „fürstlichen Ehetragödie des 16. Jahrhunderts“ (Hans Kruse). - Nachdem das Paar 1567 vor der Verfolgung durch den Herzog von Alba und seinen Blutrat aus den Niederlanden nach Dillenburg hatte fliehen müssen und Anna eine Affäre mit Jan Rubens, dem Vater des Malers Peter Paul Rubens, begonnen hatte, zerbrach die Ehe nach mehreren vorhergehenden Krisen endgültig. Anna verbrachte die Jahre von 1571 bis 1575 wegen des Ehebruchs mit Jan Rubens, von dem sie auch ein Kind bekam, unter Hausarrest auf den Schlössern Siegen und Beilstein, zunehmend von seelischer und körperlicher Krankheit gezeichnet, die vermutlich mit wachsendem Alkoholmissbrauch zusammenhing. Als sich Wilhelm von Oranien 1575 von Anna scheiden ließ und erneut heiratete, holte ihr Onkel Kurfürst August sein früheres Pflegekind Anna nach Sachsen zurück. 1577 starb sie in Dresden, in zwei Räumen des Schlosses eingesperrt, psychisch und körperlich schwer krank, an inneren Blutungen.

      Die Kindheitsjahre der Anna von Sachsen waren von unbeschreiblichem Luxus geprägt. Die Schlösser in Dresden und Moritzburg gehörten zu den wohlhabendsten Residenzen in ganz Europa, und eine Heerschar von Dienern und Dienerinnen kümmerte sich um die kleine Anna, die mit sechs Jahren schon ihren eigenen Hofstaat hatte. Dass sie einziges Kind ihrer Eltern war, muss ihre privilegierte Position in ihrem eigenen Gefühl noch verstärkt haben.
      Einen ersten Schicksalsschlag gab es, als Annas Vater Moritz von Sachsen 1553 in der Schlacht bei Sievershausen starb. Annas Mutter heiratete 1555 Johann Friedrich II. von Sachsen. Dessen Residenz in Weimar bot nicht ganz die Prachtentfaltung, die Anna vorher gewöhnt war, dafür aber einen ungewöhnlich freundlichen Stiefvater.
      Schon ein halbes Jahr später, im November 1555, starb auch die Mutter Agnes. Die davon schwer getroffene Waise wurde vom Bruder ihres Vaters, Kurfürst August von Sachsen, zurück nach Dresden an seinen Hof geholt. Dort kam sie, nun elfjährig, in die Obhut ihrer Pflegemutter Anna von Dänemark, die August im Jahre 1548 geheiratet hatte.
      Anna von Dänemark war eine Frau von unbändiger Energie und Tatkraft, aber auch von großer Strenge gegen andere wie gegen sich selbst. Sie hinterließ 25'000 Briefe, revolutionierte nebenbei die Landwirtschaft und war als Arznei- und Heilkundige europaweit bekannt und begehrt - ein Jahrhunderttalent.
      Gegensätzlicher hätten die Charaktere nicht sein können, die hier mit Tante und Pflegetochter aufeinanderprallten.
      Die häusliche Bildung umfasste Bibelkunde, Lesen, Schreiben und Rechnen sowie diverse Handarbeiten. Musik und Tanz, mit denen sie später am Hofe von Wilhelm von Oranien konfrontiert wurde, gehörten wahrscheinlich nicht dazu. Anna hatte aber wohl Zugang zu den umfangreichen Bibliotheken ihrer Pflegeeltern, zu denen bei August auch Werke wie die Ritterromane des Amadis von Gallien gehörten, die später noch eine Rolle spielen sollten. Und bei aller sittlich strengen Erziehung gab es im Leben am Hof auch genug Zerstreuungen wie Ausflüge und Theateraufführungen.
      Anna vermochte aber nicht, sich der Regentin zu fügen und vielleicht sogar von ihr zu profitieren, sondern schlug den Weg einer erbitterten Feindschaft ein - wie so oft in ihrem späteren Leben.
      Anna war eine reiche Erbin und kam aus einem der mächtigsten Fürstenhäuser im Reich. So kamen nur hochgestellte Bewerber als mögliche Ehepartner in Frage.
      Annas Chancen waren eingeschränkt dadurch, dass man an den europäischen Höfen zwar ihren „großen Verstand“ kannte, aber auch über ihre Sturheit und ihren Jähzorn informiert war. Hinzu kamen ihr nicht gerade vorteilhaftes Aussehen und eine Behinderung (eventuell eine deformierte Schulter oder Hüfte).
      Ihre geringe Attraktivität führte zu Problemen bei der Suche nach einem Bräutigam, da es alleine schon schwierig war, ein passendes Porträt zu erstellen, wie es damals zur Werbung den in Frage kommenden Kandidaten vorgelegt wurde. Mal befand der Kurfürst, sie sei auf einem Gemälde „zu huebß und glatt“, mal sei das Bild hässlicher als die Porträtierte. Der so gescholtene Künstler war immerhin Lucas Cranach der Jüngere.
      Dann trat Wilhelm von Oranien auf den Plan. Er hatte mit seiner ersten Frau Anna von Egmont eine außergewöhnlich glückliche Ehe geführt. Heiratsverbindungen im Hochadel wurden prinzipiell aus Gründen der Sicherung und Ausweitung von Macht und Ansehen geschlossen und waren vergleichbar mit Verträgen zwischen „Staaten“, da die Heirat auch gegenseitige Erbschaftsansprüche bis hin zum Eintritt in landesherrliche Rechte über das gesamte Territorium begründen konnte.
      Die durchaus reichliche Mitgift von Anna von Sachsen spielte nach Ansicht aller Historiker zwar eine nicht unerhebliche Rolle für Wilhelm von Oranien. Entscheidend war jedoch die Aussicht auf eine Verbindung mit den beiden einflussreichen Fürstentümern Sachsen und Hessen. - Anna selbst muss nach dem ersten Treffen mit Wilhelm zwar gewisse Zweifel gehabt haben, sich aber gleichfalls so verliebt haben. Außerdem war er auch für eine Prinzessin, die sogar „einen König hätte heiraten können“, wie sie sich später bitter beklagte, eine gute Partie. Als Herr von Oranien (der südfranzösischen Grafschaft Orange) war er souveräner Fürst und einer der wohlhabendsten Adeligen der reichen Niederlande.
      Als die Pläne bekannt wurden, gab es heftigen Widerstand von fast allen Seiten. Der Grund: Wilhelm war zwar zunächst lutherisch aufgewachsen, aber nach seiner Uebersiedlung in die Niederlande im Alter von zwölf Jahren katholisch erzogen worden. So wollten Annas Onkel Kurfürst August von Sachsen und ihr Großvater Landgraf Philipp von Hessen nicht, dass die damals 16-jährige Prinzessin den „Papisten“ in die Hände fiel. Und auf der anderen Seite erklärten die Berater von Philipp II., Katholiken sei die Ehe mit „Ketzern“ verboten. - Ein weiteres Problem stellte die Tatsache dar, dass Wilhelm aus seiner Ehe mit Anna von Egmont bereits einen Sohn hatte, der vor Kindern mit Anna von Sachsen erbberechtigt war.
      Dennoch setzte Wilhelm nach langen Verhandlungen mit großer Zielstrebigkeit und taktischem Geschick sein Ziel durch. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, sowohl der lutherischen als auch der katholischen Seite seine Verbundenheit mit deren jeweiliger Konfession zu erklären. Der Braut sicherte er ungestörte Ausübung ihrer lutherischen Religion zu (was auch eingehalten wurde).
      Am 2. Juni 1561 wurde in Torgau der Ehevertrag geschlossen. Annas Mitgift belief sich auf 100'000 Taler. Das war selbst für den Hochadel eine ungewöhnliche Summe. Zum Vergleich: Das jährliche Einkommen Wilhelms wurde damals auf etwa 200'000 Gulden, also das Doppelte der Mitgift, geschätzt. - Jedoch mussten für diese Summe erhebliche Gegenleistungen erbracht werden. Anna selbst verzichtete auf alle Ansprüche in Sachsen, die somit auch weder ihr Mann noch ihre Kinder geltend machen konnten.
      Wilhelm musste Anna für den Fall seines Todes aus seinen Gütern in den Niederlanden jährliche Einkünfte in Höhe von 12.500 Talern in bar garantieren. Als Bürgen hierfür musste er seine Brüder benennen, wogegen Johann VI. von Nassau-Dillenburg zunächst heftigen Widerstand leistete, da er nur schwer aufzubringende Belastungen für seine Grafschaft befürchtete. Sachsen bestand aber darauf. Zudem sollte Anna als Witwensitz die nassauischen Grafschaften Diez oder Hadamar mitsamt einem Teil ihrer Einkünfte erhalten.
      Die Hochzeit zwischen Wilhelm von Oranien und Anna von Sachsen fand am 24. August 1561 in Leipzig statt. Die Festlichkeiten dauerten eine ganze Woche und stellten alles in den Schatten, was man in der Mitte des Reiches gesehen hatte. 5'500 Gäste wurden mit Essen und Trinken, Spielen, Theater, Feuerwerk, Musik und Wettkämpfen unterhalten. Alleine Wilhelm selbst war mit einem „über 1'000 Pferde starken Geleit eingetroffen“.
      Am 1. September 1561 trat Wilhelm von Oranien dann mit seiner jungen Gattin über Dillenburg die Reise in die Niederlande an.
      Die Ehe schien zunächst von Glück gesegnet und war fruchtbar mit fünf Kindern, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten.
      Der Prinz versuchte Anna dabei zu helfen, sich auf Schloss Breda einzufinden und sie an den Aktivitäten des höfischen Lebens zu beteiligen. Gerade das war ihm wichtig, weil er einen „Hang zur Melancholie“ bei seiner Frau entdeckt zu haben glaubte. - Zunehmend wurde Wilhelm aber durch politische Verpflichtungen von zu Hause weggehalten, da die Spannungen zwischen den Niederlanden und dem spanischen König immer mehr zunahmen. Philipp II. war dabei, die Provinzen im Nordwesten seines Reiches ihrer Selbständigkeit zu berauben sowie die Inquisition einzuführen. Schon wurden spanische Elitetruppen in die Niederlande geschickt und Protestanten öffentlich hingerichtet.
      Anna hingegen hatte gerade ihr erstes Kind verloren und fühlte sich vom Prinzen vernachlässigt. Dieser hatte womöglich auch seinen außerehelichen Kontakt mit Barbara von Live wieder aufgenommen.
      Erste Missstimmigkeiten zwischen den Eheleuten wurden unverkennbar, woraufhin Anna immer wieder von ihren Verwandten in Sachsen und Hessen zu Wohlverhalten gegenüber ihrem Gatten ermahnt wurde. Anna lenkte auch zunächst ein. - Aus den Briefen Annas ging auch bald hervor, dass sie an Einsamkeit litt. Vom niederländischen Adel fühlte sie sich nicht ihrem Rang entsprechend behandelt. Ihre sächsischen Hofdamen, ohnehin nur für ein halbes Jahr verpflichtet, hatten sie schnell verlassen, teilweise schon nach vier Wochen, weil sie mit „etlichen Sitten des Niederlandes“ nicht klarkamen, „sonderlich sich nicht wollen küssen lassen“. Häufig bat Anna mit „flehentlichen Bittrufen“ ihre Verwandten aus Sachsen und Hessen, sie zu besuchen. Indessen schickten die nur ihre Räte, die vor allem Ermahnungen an sie hatten.
      Der Streit eskalierte weiter, geriet an die Oeffentlichkeit und war Tagesgespräch an den Höfen des Reiches. - Die Zwistigkeiten gingen so weit, dass Anna ihren Mann sowie „sein Geschlecht“ (Nassau) vor hohen Gästen heftig beschimpfte und verfluchte. - Die Eheprobleme schädigten Wilhelms Ansehen im Reich empfindlich, setzten ihm aber auch privat zu. Er schlief schlecht und Gästen fiel auf, dass er mitgenommen aussah. Ende 1565 war die Ehe so zerüttet, dass selbst der Todfeind des Prinzen, Kardinal Granvelle, detailliert davon erfuhr, wie „arg und allgemein bekannt sein häusliches Leid“ sei.
      Aus einem Briefwechsel zwischen dem hessischen Landgrafen und Anna Anfang 1566 geht hervor, dass Anna anfing, Schulden zu machen, ihren Schmuck zu versetzen und schlechten Umgang hatte. Es zeigten sich auch bereits deutliche Anzeichen von Depressionen. Sie schließe sich schon tagsüber in ihr verdunkeltes Zimmer ein, komme nicht zu den Mahlzeiten und habe „schwere Gedanken“ im Kopf.
      Wilhelm geriet wegen seines Eintretens für die Unabhängigkeit der Niederlande und für religiöse Toleranz in akute Lebensgefahr. Am 23. April 1567 floh er mit Anna und einem Gefolge von über 100 Personen aus Breda mit dem Ziel Dillenburg. Seine in Brüssel verbliebenen engen Verbündeten Egmont (über den Goethe sein bekanntes Drama schrieb) und Hoorn entgingen dem berüchtigten Blutgericht des Herzogs Alba nicht und wurden ein dreiviertel Jahr nach ihrer Gefangennahme öffentlich enthauptet.
      Ende Mai 1567 erreichte das Paar mit seinem Gefolge Schloss Dillenburg. Nun waren beide Flüchtlinge. Wilhelm war noch schlechter dran, da er sein ganzes Hab und Gut verlor, das von Philipp II. in den Niederlanden konfisziert wurde. Sein ältester Sohn aus erster Ehe wurde von Philipp gefangen genommen und nach Spanien in ein Kloster verbracht.
      Wilhelm fing sofort an, den Widerstand in den Niederlanden zu organisieren, während Anna mit ihrer neuen Rolle nicht zurechtkam. Sie hatte zwar von den Niederlanden weggewollt, von dem dortigen „unchristlichen, gottlosen und untreuen Volke“, aber in Dillenburg gefiel es ihr überhaupt nicht.
      Schloss Dillenburg war zwar nicht Breda und auch nicht Dresden, aber damals dennoch ein großer Gebäudekomplex, in dem bis zu 300 Menschen lebten. - Im Schloss tat man alles, um den Gästen, die mit 150-200 Personen ankamen und auf Jahre hinaus blieben, das Leben möglichst angenehm zu machen, was auch hohe Kosten verursachte.
      Doch schon nach wenigen Wochen fingen die Zwistigkeiten um Anna an, nicht mit Wilhelm, mit dem sie noch einmal eine gute Zeit verlebte und auch zwei weitere Kinder von ihm empfing, sondern insbesondere zwischen der Prinzessin und Wilhelms Mutter Juliane von Stolberg sowie mit ihrer Schwägerin Elisabeth zu Leuchtenberg, der Frau des regierenden Grafen Johann VI.
      In dieser Zeit nahmen auch die Alkoholprobleme zu. „Schon morgens nehme sie ein Glas Wein“, so wurde berichtet, „nachmittags eine größere Menge und abends vor dem Niederlegen einen Schlaftrunk. - Anna selbst beschwerte sich, dass sie mit Wein und Bier kurz gehalten werde.
      Schon im August 1567 war ihr Unmut auf Dillenburg und den Westerwald so groß, dass sie drohte, „sich aus Zorn und Unwille ein Leid anzutun“. Aber viele potentielle Auswege waren ihr abgeschnitten. Nach Breda ging es nicht mehr und zu ihren Verwandten nach Hessen und Sachsen konnte sie auch nicht, denn sie hatte „keine Einladung“ von ihnen. Ihr großer Plan wurde nun, in die von niederländischen Flüchtlingen stark frequentierte Stadt Köln am Rhein zu ziehen, um sich wenigstens „ein Stück des verlorenen Paradieses zurückzuerobern“.
      Den letztendlichen Ausschlag, dass man sie am 20. Oktober 1568, als Wilhelm sich in den Niederlanden aufhielt, mit einem Gefolge von 60-70 Personen nach Köln ziehen ließ, war möglicherweise eine in Dillenburg auftretende, ansteckende Krankheit. Als Reisegeld gab man ihr noch 150 Gulden mit, wohl das letzte Geld, was die hochverschuldete Grafschaft kurzfristig auftreiben konnte „und wollte“. Im darauffolgenden Jahr durfte sie noch ihre Kinder nachholen.
      Von der Familie ihres Mannes auf eigene Faust nach Köln wegzuziehen, war für die erst 23 Jahre junge Frau ein mutiger, aber auch folgenschwerer Entschluss. Sie hoffte auf ein großstädtisches Flair. Der Wegzug von Dillenburg bedeutete auch das vorgezogene Ende ihrer Ehe mit Wilhelm von Oranien.
      Anna wohnte in Köln zunächst mietfrei in einem Haus, das dem ehemaligen Pfennigmeister (Steuerverwalter) ihres Gatten, einem Johann Mohren, gehörte. (Bei ihrem späteren Aufenthalt im Herbst 1570 wohnte sie dann im Rinkenhof bei der Familie Rubens.) Sie brachte im April 1569 auch ein weiteres Mädchen, Emilia, zur Welt.
      Anna lebte in Köln „zwar genau und sparlich“, unterhielt aber einen eigenen Hofstaat von 43 Personen, darunter „viel schlechtes und unnützes Gesinde. Hinzu kamen regelmäßig Gäste, die ebenfalls verköstigt wurden.
      Wilhelm schickte ihr von seinem Herbstfeldzug 1568 noch mal Geld, das vom Kloster Saint-Trond stammte, welches seine Truppen überfallen und den dortigen Abt entführt hatten. Aber so was ließ sich auf Dauer nicht wiederholen, zumal der Feldzug später katastrophal scheiterte.
      Schon nach kurzer Zeit hatte Anna kein Bargeld mehr. Sie machte sich erneut daran, ihren kostbaren Schmuck und wertvolle Kleidungsstücke weit unter Wert an Pfandleiher zu versetzen, vor allem an den Kölner Kaufmann Peter Regk. Dieser gab für Wertsachen, die auf 16'000-17'000 Taler geschätzt wurden, nur 4'000 Taler. Anna hoffte, es würde alles von ihren Verwandten wieder ausgelöst. Das geschah aber nicht und wertvollste Utensilien fanden ihren Weg auf den „Grempelmarkt“.
      In dieser Zeit bat Wilhelm seine Frau mehrfach, zu ihm zurückzukommen. - Wilhelm war nun nicht mehr „der vornehmste und reichste niederländische Edelmann“, sondern „ein gehetzter Flüchtling, der sich sowohl vor den Anschlägen Albas als auch vor den Nachstellungen seiner um ihren Sold betrogenen Landsknechte und den immer energischer werdenden Forderungen seiner Gläubiger selbst in Dillenburg nicht mehr sicher fühlte.
      Und die ohnehin schlechte finanzielle Lage der Grafschaft Nassau-Dillenburg war wegen den Aufwendungen für den Krieg in den Niederlanden zusätzlich strapaziert. Dennoch bot ihr auch Graf Johann an, wieder nach Dillenburg zu kommen. Man würde ihr ein eigenes herrschaftliches Haus mitsamt dessen Einkünften geben und ein Gefolge mit 10-12 Personen stellen. - Die Prinzessin machte von den Angeboten zwar insofern Gebrauch, als sie ihr am 10. April 1570 geborenes Mädchen Emilia kurz nach der Geburt zur Pflege an ihre Schwiegermutter Juliane schickte (die anderen beiden Kinder behielt sie bei sich), lehnte es aber ab, selbst zu kommen, was Johann mit den Worten kommentierte, ihr sei alles „zu wenig und verächtlich“. - Nichts vermochte sie umzustimmen, weder Wilhelms eindringliche Hinweise auf seine Lage als Verfolgter, dessen Leben außerhalb Dillenburgs in akuter Gefahr ist, noch seine Hinweise auf ihre eheliche Verpflichtung, ihm beizustehen, und schon gar nicht seine mehrfachen Bitten um ihre Freundschaft und emotionale Unterstützung.
      Anna vertraute nun anderen Personen, nämlich Rechtsberatern, die sie selbst ausgewählt hatte. Mit ihnen verfolgte sie im Wesentlichen drei Strategien, um ihre verzweifelte finanzielle Lage zu verbessern und auf Dauer ein in ihren Augen standesgemäßes Leben führen zu können:
      (1) Zum einen strengte sie einen Prozess gegen König Philipp II. an, mit dem Ziel, ihr die in den Niederlanden nach ihrer Ansicht zustehenden Güter zu erstatten. Diese Anstrengungen blieben jedoch erfolglos. Im Gegenteil hetzte ihr Alba auch noch den Brüsseler „Fiscus“ (Rechnungshof) auf den Hals.
      (2) Auch ihr Onkel und Ziehvater Kurfürst August von Sachsen sowie ihr Onkel, der regierende Landgraf Wilhelm von Hessen, die sie beide immer wieder anschrieb, schickten ihr kein Geld, verfassten aber immerhin einige Schreiben in ihrem Sinn und beauftragten ihre Räte, unter anderem beim Kaiser für sie vorstellig zu werden, ebenfalls ergebnislos.
      (3) Schließlich versuchte sie, vom Haus Nassau-Dillenburg vorzeitig ihr Wittum (ihre Witwenversorgung) zu erlangen, entweder die vertraglich vereinbarten Geldzahlungen oder die Grafschaften Hadamar bzw. Diez. Auch hier hatte sie keinen Erfolg, da Dillenburg kein Geld hatte und ihr Wittum auch erst nach Ableben ihres Mannes fällig war.
      Den ersten ihrer Rechtsanwälte, Johann Betz aus Mecheln, einen ehemaligen Vertrauten ihres Mannes, engagierte sie im April 1570. Er gab sein Mandat im Juni 1570, ohne Ergebnisse erzielt zu haben, selbst zurück, hatte aber bereits 200 Goldkronen verwendet, für die Anna wieder 80 goldene, teilweise mit Diamanten besetzte Knöpfe versetzt hatte.
      Der zweite Berater war Jan Rubens (1530-1587). Dieser war in Antwerpen Schöffe (Ratsherr, Richter) gewesen. Als Vertreter der niederländischen Stände war er eigentlich ein Verbündeter Wilhelms und war wie dieser vor der Verfolgung durch Albas „Blutrat“ geflohen. Einer seiner später geborenen Söhne war der berühmte Maler Peter Paul Rubens (1577-1640).
      Im Sommer 1570 wurde die finanzielle Lage Annas so unhaltbar, so dass sie ihre eigene Residenz in Köln aufgeben musste und auf das Schloss Siegen zog. Siegen war damals die zweite Residenz der Grafschaft Nassau-Dillenburg.
      Von Mai 1570 bis Januar 1571 kam es nochmals zu mehreren kurzen Treffen der Eheleute Anna und Wilhelm, unter anderem in Heidelberg, Siegen und Dillenburg. Anna selbst hielt sich auch in Kassel, Marburg, Gießen und Frankfurt auf, dabei häufig begleitet von Jan Rubens, den sie im Mai 1570 engagiert hatte und der sie auch vor Ort in Siegen aufsuchte. Rubens kümmerte sich weiterhin um den Verkauf ihrer Kleinodien.
      Es gab eigentlich den Plan, für Anna und Wilhelm in Erfurt einen Wohnsitz einzurichten. Hessen, Sachsen und Nassau wollten dies zusammen finanzieren. Doch dazu kam es nicht.
      Die Beziehungen zwischen Anna und Rubens waren mittlerweile so eng, dass Annas beide Kinder im Herbst 1570 bei der Familie Rubens in Köln wohnten - ohne ihre Mutter. Und das häufige Zusammensein von Anna und Rubens fiel zunehmend auf. - Eine solche enge Beziehung und wahrscheinlich auch ein sexuelles Verhältnis mit dem Gerichtsschöffen aus Antwerpen einzugehen, war für beide, den verheirateten 40-jährigen Bürger Jan Rubens und die 25-jährige Prinzessin von Oranien, ein hochriskantes Spiel.
      Anfang März 1571 wurde Jan Rubens vor den Toren von Siegen verhaftet und wenige Tage später nach Dillenburg gebracht. - Die Anklage lautete: Ehebruch. Ehebrecherische Beziehungen war in der Frühen Neuzeit keineswegs eine große Seltenheit. Historiker haben herausgefunden, dass es insbesondere im 16. Jahrhundert zahlreiche dieser unerlaubten Kontakte gab und dass sie in dieser Zeit auch häufig von Frauen ausgingen. Dennoch wurden diese Handlungen, sofern sie entdeckt und zur Anzeige gebracht wurden, streng bestraft, bis hin zur Todesstrafe. - Anna ließ man zunächst im Ungewissen. - Rubens gestand nach einem „scharfen Verhör“ detailliert, eine über Monate dauernde sexuelle Beziehung mit der Prinzessin gehabt zu haben. Anna gestand nach einigem Widerstand ebenso; man hatte ihr versprochen, Rubens zu schonen. Dieser kam ins Gefängnis, Anna wurde unter Hausarrest gestellt, nachdem sie einer Auflösung der Ehe zugestimmt hatte.
      Jan Rubens war bis zu seiner Begnadigung im Mai 1573 in Dillenburg im Gefängnis, durfte ausgiebig lesen und schreiben, überstand die Zeit auch einigermaßen. - 1573 durfte Jan Rubens das Gefängnis verlassen und mit seiner Familie als religiöser Flüchtling weiter im nassauischen Siegen wohnen, aber die Stadt nicht verlassen. Er wohnte mit seiner Familie im sogenannten Brambach-Haus, nur rund 100 m unterhalb des Schlosses. Anna war ein halbes Jahr vorher nach Beilstein gebracht worden, sonst hätten sie sich zuwinken können.
      Anna verblieb bis zum 1. Oktober 1572 mit eigenem Personal unter Hausarrest im Schloss Siegen, wo sie auch am 22. August 1571 ihr Kind Christine zur Welt brachte, das von Wilhelm nicht anerkannt wurde. Christine wurde vom Haus Nassau eine standesgemäße Erziehung, ein Aufenthalt in einem angesehenen Kloster und eine hohe Leibrente zugesprochen. Sie heiratete einen nassauischen Burggrafen und lebte über 30 Jahre in Langendernbach im sogenannten Hofhaus.
      Anna hatte auf Schloss Siegen eigene Räumlichkeiten für sich und ihr Gesinde sowie die erforderlichen Lebensmittel und Wein, die von Graf Johann bezahlt wurden. Vom Kurfürsten von Sachsen und vom Landgrafen von Hessen ging regelmäßig Geld für sie ein (beide hatten sich zur Zahlung von 3000 Talern verpflichtet). - Täglich führte sie Korrespondenz. Dabei schrieb sie regelmäßig an Johann und Wilhelm. Sie äusserte den dringenden Wunsch, von Siegen und vom Westerwald wegzukommen und nach Duisburg oder Köln zu ziehen (wo sie Rubens nach seiner Entlassung hätte nahe sein können), was jedoch von allen Beteiligten strikt abgelehnt wurde.
      Ein besonders gutes Verhältnis baute sie zu ihrem Schwager Graf Johann und dessen angesehenem Rat Jakob Schwarz (1527-1582) auf. Schwarz war für Anna ein wohlmeinender Berater und versuchte immer zu vermitteln. Der gesundheitlich angeschlagene Mann reiste sogar im Dezember 1571 zum hessischen Landgrafen nach Kassel, um ihm ein Bittgesuch Annas zu überreichen. Er musste 10 Tage warten, bis er überhaupt vorgelassen wurde. - Leider zerbrachen auch diese Beziehungen nach kurzer Zeit.
      Annas Gesundheitszustand verschlechterte sich weiter. Der Alkoholkonsum muss noch zugenommen haben. Es wird berichtet, sie habe mit Männern getrunken, bis diese nicht mehr aufstehen konnten. Einmal sei sie volltrunken fast in ein offenes Feuer gefallen. Gerne zechte sie auch bis abends spät mit dem Pfarrer Bernhardi und erregte Mutmaßungen über weitergehende Beziehungen mit dem lutherischen Geistlichen, der unter anderem wegen Trunkenheit nach Siegen strafversetzt worden war.
      Erstmals tauchen Berichte von Gewalttätigkeiten Annas gegen ihr Personal auf. - Bei den häufigen Wutausbrüchen Annas flogen Speisen und Geschirr durch die Gegend, begleitet von heftigen, obszönen Fluechen. - Man erkennt auch erste Wahnvorstellungen.
      Anna von Sachsen nahm von ihrem Mann Wilhelm von Oranien in einem vom 12. Mai 1572 datierten Brief mit bitteren Worten endgültig Abschied, als ihr klar wurde, dass dieser nicht mehr gewillt war, sie zurückzunehmen und auch ihre Schreiben nicht mehr beantwortete.
      Zu dieser Zeit bereitete sich der Prinz von Oranien darauf vor, wieder in die Niederlande zu gehen, um den Kampf mit Albas Truppen erneut aufzunehmen. Am 9. Juli 1572 erreichte er den Rhein und würde weder Anna, noch Dillenburg und Siegen je wiedersehen.
      Auf Anna wartete jetzt eine Veränderung. Wilhelm schrieb an Kurfürst August von Sachsen und klärte ihn erstmals über die Vorwürfe gegen Anna auf. Gleichwohl habe er Anna als Christ verziehen. Es gelte nur, einen Aufenthaltsort für sie zu finden. Nach einer umfangreichen und äusserst langwierigen Korrespondenz zwischen Nassau, Sachsen und Hessen wurde die nassauische Residenz Schloss Beilstein als Annas zukünftiger Aufenthaltsort festgelegt. Hier wolle man ihr 5-6 Räume zur Verfügung stellen, und sie könne mit ihrem ganzen Gefolge leben können“. Insgesamt hatte man an ca. 12-14 Personen Dienstgefolge für sie gedacht, das aufgrund des Umgangs der Prinzessin mit ihrem Personal allerdings schwer zu rekrutieren war. Die Fenster des Schlosses seien vergittert und die Ausgänge bis auf einen vermauert - um Fluchtversuche zu unterbinden. - Das Schloss wurde von einer Delegation besichtigt und für tauglich befunden. Anna wollte allerdings lieber sterben als nach Beilstein zu gehen und griff nach einem Messer, das ihr abgerungen werden konnte. Als heraus kam, dass sie einen (abgefangenen) Brief voller Anschuldigungen gegen Wilhelm und nassauische Amtsträger an Herzog Alba geschrieben hatte, mit dem ihr Mann sich in einem Kampf auf Leben und Tod befand, hatte die nassauisch-sächsisch-hessische Delegation endgültig genug, und Anna musste in die Uebersiedlung nach Beilstein einwilligen, die am 1. Oktober 1572 stattfand.
      Die drei langen Jahre in Beilstein von 1572 bis 1575 sollten für Anna eine harte Zeit werden. Sie befand sich in einem kleinen Städtchen mit rund 150 Einwohnern, saß gefangen in einem Schloss am Rande des ihr verhassten Westerwaldes und musste endgültig realisieren, dass ihre Welt, die sie kannte, die fürstlichen Höfe, die Festessen, die Ehrerbietung für eine hochgestellte sächsische Prinzessin, untergegangen war.
      Schon der Start war denkbar schlecht. Anna redete sich wiederholt in Rage, schrie und zeterte, verwickelte sich dabei in Widersprüche. - Erstmals wurde ihr angedroht, sie einmauern zu lassen.
      Als der von Sachsen, Hessen und Nassau mit strikten Angaben zur Aufsicht über Anna versehene Hofmeister (eine Art Verwaltungsleiter) kam Magnus von Rosenfeldt, genannt „Heyer“, der in Kassel der Landgräfin von Hessen gedient hatte, „kein sonderlich gebildeter Mann“. Dazu wurde von Nassau ein Personal von etwa 12-14 Dienern und Mägden gestellt, auch überwiegend sehr einfache Menschen, darunter mehrere „Weibspersonen“, die in der Kammer bei ihr schliefen. Das war zwar üblich, es ging aber auch um Kontrolle. Die zunächst versprochenen adeligen Frauen, mit denen Anna speisen sollte, erschienen hingegen nicht. Zu den Verhaltensmaßregeln des Hofmeisters gehörte, darauf zu achten, dass nach dem Essen sofort die Messer verschwanden.
      Trotz allem wäre es möglich gewesen, noch ein halbwegs erträgliches Leben zu führen. Anna hatte elf Kisten mit ihrem Eigentum mitnehmen können, hatte ihr Gesinde und zum Essen (das ihr allerdings zu grob war) gab es Wein. Sie hatte ihr Kind bei sich, konnte Predigten von einem Prädikanten hören (die sie allerdings ablehnte), mit Begleitung im Schlosspark spazieren gehen und auf bessere Zeiten hoffen.
      Aber die wenigen Dokumente, die es von den drei Jahren in Beilstein gibt, zeigen Anna als eine schwer kranke Frau, die stark alkoholabhängig und suizidgefährdet war, häufig geistig verwirrt zu sein schien und die Kontrolle über sich verlor.
      Es ging in Beilstein recht derb zu, wie man es auf dem Westerwald auch erwartet hätte. Und kamen auf Annas Beschwerden aus Dillenburg und Kassel zunächst noch freundliche Antworten und suchte man, auch Verbesserungen herbeizuführen (Landgraf Wilhelm schickte ihr z. B. einen seiner Köche), verlief ihre Kritik zunehmend im Sande, ja, traf auf Unwillen. - Immer wieder ging es um das Essen. Kranke, halbrohe Hühner kämen auf den Tisch. Am Anfang bekam sie zur Aufbesserung noch Fässer mit eingelegtem Wildfleisch aus Kassel, aber auch diese Lieferungen schienen nach einem Jahr auszubleiben. - Die Klagen über das Essen waren wahrscheinlich übertrieben. So besorgte man ihr sogar Fisch und Krebs, und die zwei Bäcker, die auf dem Schloss beschäftigt wurden, fuhren zum Einkauf bis nach Dillenburg.
      Am 5. Februar 1575 riet ihr der hessische Rat Jörg von Scholley dringend, sich „nach den Leuten und nach der Zeit zu richten“. Insbesondere könne sie froh sein, dass die Nassauer sich so um sie bemühten und auch noch ihre Kinder auf eigene Kosten großzögen. Johann würde sie auch wieder zu sich auf Schloss Dillenburg nehmen, weil er sich ihre Unterhaltung in Beilstein nicht mehr leisten könne. In Dillenburg habe sie auch mehr Gesellschaft und die „Fama“ werde eher vergessen werden. Anna wollte aber nach Köln oder Frankfurt. - Dann gab Scholley ihr noch eine düstere Warnung. Sie solle sich mit den Nassauern „nicht in einen Gegensatz bringen“. Wenn der Kurfürst von Sachsen (ihr Onkel) sie in die Hände bekäme, würde er sie „vermauern“, dass sie „nimmermehr Sonne und Mond“ sehen würde.
      Im März 1575 wurde bekannt, dass Wilhelm von Oranien wieder heiraten wollte, vier Jahre nach der endgültigen Trennung von Anna und im Alter von 42 Jahren. Eine Wiederverheiratung unter den Umständen, dass die Ehefrau noch lebte, war nach in Nassau als auch in Sachsen gültigem Recht nicht möglich und so hagelte es Kritik von allen Seiten, nicht nur aus Sachsen und Hessen, sondern zunächst auch von Graf Johann und Wilhelms Mutter Juliane, welche später einlenkten. - Wilhelm neigte aber bereits seit 1572/73 der kalvinistischen Konfession zu, und ein Gremium reformierter Geistlicher in den Niederlanden ließ die Scheidung als gültig erklären. Bereits einen Tag später, am 12. Juni 1575, heiratete er Charlotte de Bourbon, eine aus einem Kloster in der Nähe von Paris geflohene Nonne, die ebenfalls zum Kalvinismus konvertiert war. Die Ehe sollte „vorbildlich und liebevoll“ (Böttcher) werden.
      Die Heirat führte zu ernstlichen diplomatischen Verstimmungen zwischen Sachsen und Hessen auf der einen Seite und Nassau, der Pfalz und sogar Frankreich auf der anderen Seite. Brandenburg wurde ebenfalls miteinbezogen. Alle wollten nichts damit zu tun haben und alle wollten abgeraten haben. Die Sache sollte im Oktober 1575 sogar auf dem Reichstag in Regensburg vorgebracht werden.
      Dazu kam es zwar nicht, aber Kurfürst August von Sachsen forderte nun nicht nur die Mitgift von Anna zurück, sondern auch als ihre Witwenversorgung eine der nassauischen Grafschaften Diez oder Hadamar. Wilhelm von Oranien warf er vor, in Bigamie zu leben und seinerseits die Ehe gebrochen zu haben. Anna selbst solle sofort aus Nassau herausgeholt und in Hessen untergebracht werden. Letzteres lehnte der Landgraf von Hessen ab.
      Daraufhin beschloss Kurfürst August am 15. November 1575, Anna nach Sachsen zurückzuholen. Das war nicht nur Annas größter Alptraum, sondern sollte auch ihr Todesurteil sein.
      Am 2. Dezember 1575 erneuerte Graf Johann VI. zwar das Angebot, Anna wieder auf Schloss Dillenburg aufzunehmen. Das wollten aber jetzt die Fürsten von Dresden und Kassel nicht mehr. Es hätte Annas Leben retten können.
      Ihr Gesundheitszustand hatte sich in den letzten Monaten nochmals drastisch verschlechtert. Sie wirkte immer verwirrter, ließ zum Beispiel ihre Mägde immer wieder die Koffer ein- und wieder auspacken, weil sie nach Frankfurt wolle. Sie zitterte am ganzen Leib und hatte Schaum vor dem Mund. Sie trank noch mehr Alkohol als vorher, hauptsächlich stark mit Zucker versetzten Wein. Um wieder zu Kräften zu kommen, nahm sie Unmengen Olivenöl ein, wovon es ihr noch schlechter ging.
      Die Verhandlungen zwischen August, dem Kurfürsten von Sachsen und Wilhelm, dem Landgrafen von Hessen, zur Ueberführung von Anna nahmen teilweise abenteuerliche Formen an. - Schließlich erschien am 12. Dezember 1575 eine Delegation von sächsischen und hessischen Gesandten bei Anna in Beilstein. Die Verhandlungen mit ihr zogen sich über sechs Tage hin, wobei sie auch Messer ergriff, damit den Gesandten und auch mit Selbstmord drohte. Schließlich mussten ihre Mägde sie mit Gewalt ergreifen und sie in „einen brabantischen Reisewagen mit acht Kutschpferden“ setzen, den Graf Johann ihr als letzten Dienst auf ihre Bitten hin zur Verfügung gestellt hatte. Am 19. Dezember 1575 brach die traurige Karawane auf.
      Ueber mehrere Stationen fuhren die sächsischen und hessischen Gesandten mit Anna zunächst bis nach Zeitz, wo sie Mitte Januar 1576 eintraf. Dort wurde ihr eröffnet, sie solle nach Rochlitz gebracht werden, einer sächsischen Nebenresidenz. Auf heftigen Widerstand hin verblieb Anna aber in Zeitz, wo sie ein weiteres Jahr verbrachte. Wo sie genau untergebracht war, geht aus den Quellen nicht hervor. Anzunehmen ist, dass sie im Schloss Moritzburg (im „Hintergemach“) wohnte, wo Amtmann Wolff Bose und seine Frau auf sie aufpassen sollten.
      Anna hatte jetzt nur noch zwei Mägde und einen Küchenjungen bei sich, wurde aber von der Schlossküche nach fürstlichen Standards versorgt.
      Der Umgang mit Anna gestaltete sich aber zunehmend so, dass niemand mehr dafür gewonnen werden konnte. Anna griff den Beamten Wolff Bose mit Messern in jeder Hand an, die er ihr nur mühsam abringen konnte. Seine Frau war auf den Speicher geflüchtet. Hans Kruse urteilt, Anna sei nun zu einer „gemeingefährlichen Wahnsinnigen“ geworden.
      Nach diesen Vorfällen ordnete der Kurfürst die Ueberführung Annas nach Dresden an.
      Am 22. Dezember 1576 traf Anna in Dresden ein. Sie erhielt im Schloss zwei Räume zugewiesen, deren Fenster vergittert und deren Tür fest verschlossen war, so dass nur eine Durchreiche blieb. So lebte nun die Prinzessin, die vor nicht einmal 15 Jahren „mit rauschenden Festen aus ihrer Heimat geleitet worden war“, noch ein weiteres Jahr.
      Es gibt nur noch wenige Dokumente über diese Zeit. Priester berichteten, sie sei häufig bettlägerig, nehme nur Brot, Wein und Bier zu sich, und sei extrem verwirrt, rede unflätig gegen ihre Tochter und beschimpfe die Geistlichen.
      Am 18. Dezember 1577 verstarb Anna von Sachsen im Alter von 32 Jahren.
      Mit großem Glockengeläut und unter Beteiligung von Adel und Bürgerschaft wurde die Prinzessin wenige Tage später im Meißner Dom bestattet. Die Regentenfamilie selbst nahm an der Zeremonie anscheinend nicht teil. Die Grabstätte befindet sich noch heute (ohne eigene Grabplatte) direkt rechts vom Eingang der Fürstenkapelle des Meißener Doms
      Mit Wilhelm von Oranien I. (der Schweiger) hatte Anna fünf Kinder.
      Mit Jan Rubens hatte Anna eine Tochter:
      ° Christine, genannt von Diez (* 22. August 1571; † um Weihnachten 1637 in Benfeld
      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Sachsen_(1544%E2%80%931577)

  • Quellen 
    1. [S188] Community, _GeneaNet, (Name: Geneanet SAS; Location: 165 bis, rue de Vaugirard / 75015 Paris / France; Date: 1996;), _Hochadel in Deutschland, +(33)1 42 74 40 30.
      Stammbaumbesitzer: Heinz WEMBER (hwember1)

      https://gw.geneanet.org/hwember1

    2. [S195] Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Anna von Sachsen (1544–1577).
      Anna von Sachsen (* 23. Dezember 1544 in Dresden; † 18. Dezember 1577 ebenda) war die Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen und der Agnes von Hessen und die zweite Frau von Wilhelm von Oranien. - 1561 heiratete Anna den aus Nassau-Dillenburg stammenden Prinzen von Oranien, den wohlhabendsten und einflussreichsten Adeligen der Niederlande, und zog mit ihm auf Schloss Breda. Die Verbindung von Anna und Wilhelm entwickelte sich zur „fürstlichen Ehetragödie des 16. Jahrhunderts“ (Hans Kruse).
      https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Sachsen_(1544%E2%80%931577)