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- Roms hervorragendster Feldherr im Zweiten Punischen Krieg 218-201 BC. Nach Bewährung in den Schlachten von 218-211 BC noch jung 211 BC zum Kommandanten des Heeres in Spanien ernannt. Siege in kühnen Schlachten, Verständnis für seine Soldaten wie für die spanische Bevölkerung und Sieg über Hasdrubal, Vertreibung der Karthager aus Spanien und Beziehungen zu Numidien rechtfertigten diese Wahl. Als Consul 205 BC für Sizilien erzwang er gegen die konservative Opposition die Erlaubnis des Senats, trotz der Besetzung Süditaliens durch Hannibal selber nach Afrika überzusetzen; nach dortigen Siegen im Bündnis mit dem Numidierkönig Masinissa endgültiger Sieg auch in Süditalien über Hannibal. Censor 199 BC, wieder Konsul 194 BC, Legat im Feldzug seines Bruders Lucius gegen Syrien. Die konservative Opposition, besonders Cato, erzwang einen Unterschlagungsprozess gegen Scipio; er zog sich erbittert auf sein Landgut in Kampanien zurück und starb dort. - Quelle: Uli W. Steinlin
Publius Cornelius Scipio Africanus (* 235 BC in Rom; + 183 BC) war Feldherr im Zweiten Punischen Krieg und Staatsmann der Römischen Republik. Er wurde bekannt durch den Sieg über Hannibal in der Schlacht bei Zama, der ihm die Anerkennung als einer der erfolgreichsten Kommandeure in der Militärgeschichte sowie den Beinamen Africanus einbrachte. Da sein militärischer Ruhm jedoch die politische Ordnung der Republik bedrohte, verbrachte er seinen Lebensabend im Exil.
Scipio (was im Lateinischen etwa „Eisenstange“ oder „Stab“ bedeutet) wurde 235 BC in Rom geboren. Er entstammte dem patrizischen Geschlecht der Scipionen, einem Zweig der Cornelier. Mehrere Vorfahren bekleideten bereits das Consulat. So entstammten von den zehn Konsuln, die von 222 BC bis 218 BC gewählt wurden, drei den Scipionen. Der Urgroßvater des Publius Cornelius Scipio Africanus, Lucius Cornelius Scipio Barbatus, der auch als Stammvater der Scipionen gilt, bekleidete das Amt des Pontifex Maximus und wurde 280 BC zum Censor gewählt. Vor allem durch seine militärischen Erfolge in den Samnitenkriegen erlangten er und seine Familie Bedeutung. Publius Scipio war der älteste Sohn des Publius Cornelius Scipio, der 218 BC Konsul werden sollte, und dessen Frau Pomponia, die einer angesehenen plebejischen Familie entstammte. Ueber seine Jugend ist bekannt, dass er durch seine Eltern eine religiöse Erziehung genossen und täglich den Jupitertempel auf dem Kapitol besucht haben soll.
Scipios Vater war für das Jahr 218 BC, in dem der Zweite Punische Krieg ausbrach, zum Konsul gewählt. Die Strategie des Senats sah einen Doppelangriff auf die karthagischen Besitztümer in Afrika und Spanien vor. Den Angriff auf Spanien sollte der Konsul Scipio leiten. Da sein Sohn jetzt mit 17 oder 18 Jahren alt genug war, in der römischen Armee zu dienen, wurde er zusammen mit seinem Onkel Gnaeus Cornelius Scipio Calvus der Armee seines Vaters zugeteilt (von einem römischen Bürger wurde erwartet, mindestens zehn Jahre in der Armee zu dienen). Das Heer der Scipionen erreichte im September 218 BC Massilia, konnte aber Hannibal nicht mehr an der Rhone stellen, um dessen Alpenüberquerung zu verhindern. Der Konsul übergab daraufhin den Oberbefehl über die Spanienarmee seinem Bruder und kehrte nach Italien zurück, um das Kommando der römischen Streitkräfte in der Provinz Gallia cisalpina in der Poebene zu übernehmen, wobei ihm sein Sohn folgte.
Die erste Schlacht des Krieges fand am Fluss Ticinus [dt. Tessin] zwischen der Kavallerie Hannibals und leichten Truppen Roms statt. Dabei war die karthagische Vorhut der römischen Armee zahlenmäßig unterlegen. Von einem Hügel aus beobachtete der junge Scipio mit der Leibwache den Ablauf. Ein Großteil der leichten Truppen floh sofort, und Hannibals numidische Kavallerie konnte die verbliebenen Römer einkesseln. Der Konsul wurde verwundet und fiel von seinem Pferd. Daraufhin forderte Scipio seine Leibwache auf, seinen Vater zu retten. Da diese sich weigerte, gab Scipio seinem Pferd die Sporen und stürmte laut einer Legende auf die Feinde zu, die Leibwache musste ihm folgen. Da die Karthager von diesem Angriff völlig überrascht waren und weitere römische Einheiten hinter dem Hügel vermuteten, zogen sie sich rasch zurück, so dass Scipio seinen Vater retten konnte. Für diesen bedingungslosen Einsatz wurde ihm mit der corona civica die höchste militärische Auszeichnung Roms verliehen. Zu dieser Zeit lernte er auch Aemilia, die Tochter des römischen Generals Lucius Aemilius Paullus, seine spätere Frau, kennen.
Trotz der schweren Niederlagen römischer Armeen in den Schlachten an der Trebia (Dezember 218 BC) und in der Schlacht von Cannae (August 216 BC) glaubte Scipio weiterhin an einen Sieg über Karthago. Als er hörte, dass einige Senatoren um Lucius Caecilius Metellus ihre weitere Unterstützung verweigerten und Frieden schließen wollten, stürmte er kurzerhand mit seinen Anhängern die Sitzung und schwor bei vorgehaltenem Schwert, Rom treu bis in den Tod zu dienen. Erneut beeindruckt von Scipios Willensstärke, gab der Senat den Gedanken an Frieden trotz der großen Verluste auf, und im darauffolgenden Jahr (213 BC) wurde der junge Scipio zum Aedilen gewählt, obwohl er das für dieses Amt übliche Alter (gesetzlich auf 37 Jahre festgelegt) noch nicht erreicht hatte. Seine Wahl trotz der Minderjährigkeit begründete er mit den Worten: "Wenn alle Menschen Roms mich zum Aedil machen wollen, … dann bin ich alt genug."
Der Spanienfeldzug
Bei der Einnahme der Stadt Carthago Nova (Cartagena) und der damals üblichen Plünderung bewies Scipio laut dem antiken Geschichtsschreiber Livius wieder einmal seine Ritterlichkeit: Der Legende nach bemächtigten sich seine Soldaten neben der Schatzkammer auch einer schönen Frau, die sie Scipio als Kriegspreis anboten. Scipio war zwar von ihrer Schönheit überrascht, hörte aber, dass die Frau die Verlobte eines keltischen Stammesführers namens Allucius war. Daraufhin gab er sie ihrem Verlobten zusammen mit dem von ihren Eltern gestellten Lösegeld zurück. - Am Ende des Jahres kehrte er nach Rom zurück und ließ sich im Alter von 31 Jahren im Jahr 205 BC zum Konsul wählen.
Afrikafeldzug
Als Karthago um Frieden bat wurde der Zweite Punische Krieg beendet. Scipio selbst diktierte Karthago die Bedingungen, die entgegen den Forderungen mancher römischer Senatoren moderat ausfielen: Karthago musste 10'000 Silbertalente an Rom zahlen, seine Flotte wurde auf 20 Schiffe reduziert und seine Interessensphären nicht nur auf Nordafrika eingeschränkt, sondern es musste sich auch verpflichten, sich im Kriegsfalle an die Anweisungen des Senats von Rom zu halten.
Bei seiner umjubelten Rückkehr erhielt Scipio den Ehrentitel Africanus. Doch aufgrund zunehmender Differenzen mit führenden Senatsmitgliedern, die seinen Ruhm mit Besorgnis sahen, zog er sich für mehrere Jahre aus dem öffentlichen Leben zurück. Seine Lage war problematisch, da er schlicht zu viel Ansehen und Macht auf sich vereinigt hatte, um einfach wieder in die Nobilität integriert werden zu können - die übrigen Aristokraten versuchten daher, sein Ansehen wieder auf Normalmaß zu reduzieren. Unvergessen war, dass die spanischen Legionen Scipio als rex, als „König“, gefeiert hatten (auch wenn er diesen Titel zurückgewiesen und sich stattdessen als "imperator" hatte anreden lassen). Zwischenzeitlich wurde er dennoch 199 BC zum Censor ernannt und bekleidete 194 BC noch einmal das angesehene Amt des Konsuls. Außerdem führte er als Vorsitzender 193 BC die Untersuchung über einen Grenzstreit zwischen Karthago und Massinissa, der ständig sein numidisches Königreich erweitern wollte. In der Folge plante Scipio aufgrund des wachsenden Widerstands gegen seine dominierende Position seinen endgültigen Abschied aus der römischen Politik. Als jedoch Rom 190 BC dem Seleukiden Antiochos III. von Syrien den Krieg erklärte, zog er noch einmal, zusammen mit seinem Bruder Lucius Cornelius Scipio, in den Krieg. Scipio Africanus diente hierbei als Organisator der Legionen und gleichzeitig als Taktiker. Den Oberbefehl dagegen, den er gefordert hatte, wollte ihm der Senat nicht zugestehen, da man fürchtete, nach einem Sieg würde er endgültig unangreifbar werden. Dennoch oblag ihm die eigentliche Durchführung der Operationen. Vor allem seinem schnellen Handeln ist der Sieg in der Schlacht von Magnesia zu verdanken, welche den Krieg rasch zugunsten Roms beendete.
Nach seiner Rückkehr hatten Scipios politische Gegner im Senat, die die Republik durch ihn bedroht sahen, die Oberhand gewonnen. Sie versuchten, ihn durch politisch motivierte Prozesse zu entmachten: In den Scipionenprozessen warfen sie den Scipio-Brüdern vor, Bestechungsgelder von Antiochos entgegengenommen zu haben. Lucius, der wie sein Bruder einen Ehrentitel, nämlich Asiaticus, erhalten hatte, wurde hierfür zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Als jedoch Scipio Africanus der Prozess gemacht werden sollte, zerriss er öffentlich die Rechnungsbücher und verteidigte sich geschickt. Seine Worte machten einen tiefen Eindruck. Alle waren beschaemt, und die Ankläger schwiegen (Polybios 23,14,7f.)
Scipio forderte das Volk auf, mit ihm auf dem Kapitol den Jahrestag von Zama zu feiern, und erregte hiermit einen öffentlichen Aufruhr zu seinen Gunsten. Doch dieser Erfolg zahlte sich für Scipio langfristig nicht aus, da er seinen Gegnern letztlich nur seine Gefaehrlichkeit vor Augen geführt und zudem öffentlich gezeigt hatte, dass er annahm, aufgrund seines Ruhmes über den Gesetzen zu stehen. Damit stieß er auch seine Freunde unter den Senatoren vor den Kopf. Bald nach dieser zwischenzeitlichen Niederlage seiner Gegner zog sich Scipio daher, politisch vollständig isoliert, nach Kampanien zurück, wo er in „freiwilliger“ Verbannung lebte und 183 BC in seiner Villa in Liternum starb. Spätere Generationen priesen ihn dafür, dem Reich eine Zerreißprobe erspart zu haben.
Das innenpolitische Scheitern des Kriegshelden Scipio wies auf die Zukunft voraus. Es war nicht gelungen, den zu mächtig gewordenen Einzelnen wieder in die römische Aristokratie zu integrieren. Die Vorgänge rund um Scipio werden in der Forschung daher oft als Wetterleuchten der Jahrzehnte später ausbrechenden Bürgerkriege gesehen, in denen die Senatsherrschaft ebenfalls keinen Weg fand, übermächtige Männer wie Pompeius und Cäsar in den Staat einzubinden, was letztlich zum Untergang der Republik führen sollte - denn spätestens Cäsar war dann im Unterschied zu Scipio nicht mehr bereit, seine politische Karriere zu opfern, sondern zog stattdessen in den Bürgerkrieg.
Scipios Tochter Cornelia heiratete Tiberius Sempronius Gracchus den Aelteren, mit dem sie die Tochter Sempronia und die Söhne Tiberius und Gaius Sempronius Gracchus hatte.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Cornelius_Scipio_Africanus
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