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Der Vater von Wiltrud war Herzog Gottfried der Bärtige von Lothringen. Sie stammt aus einer sehr angesehenen Familie, die dem Kaiser immer wieder kritisch beziehungsweise feindlich gegenüberstand. Die lothringischen Herzöge standen eher den Päpsten nahe und förderten die Kirchenreform. Den Tod Wiltruds meldet Bernold im Jahr 1093 und verbindet dies mit einem Nachruf, wobei er ihre Unterstützung für das Kloster Hirsau hervorhebt. Sie war mit Adalbert II. von Calw verheiratet und hatte fünf Kinder, die 1075 belegt sind. Neben diesen Daten bleiben viele Fragen offen. Die Heirat mit dem Grafen Adalbert zeigt, dass dieser schon zu der Zeit der Eheschließung über eine umfangreiche Machtstellung verfügte. In der Literatur findet sich immer wieder der Verdacht, dass Leo IX. diese Ehe vermittelt haben könnte. Das ist insofern nicht abwegig, da der Papst einerseits sehr viel unterwegs war und andererseits aus einem Gebiet stammte, in dem die lothringischen Herzöge präsent waren. Damit wäre die Eheabsprache in die Zeit von Leos Pontifikat zu datieren, zwischen 1049 und 1054. Vielleicht war diese Ehevermittlung einer der Gründe, die den Papst 1049 nach Calw führten. Da der älteste Sohn Wiltruds 1085 Bischof in Metz wurde, muss die Eheschließung in die Zeit vor 1064 fallen. Mit zu bedenken ist, dass Wiltrud 1093 starb.
Hinter all den Daten ist wenig von dem Menschen zu erkennen. Wiltrud wird eine wichtige Mitarbeit bei der Gründung des Klosters Hirsau und eine eigenständige Rolle im Konflikt mit dem Abt Wilhelm von Hirsau zugeschrieben. In Wiltrud tritt uns eine Frau entgegen, die mit den Gedanken der Kirchenreform vertraut war und intensiv die strenge cluniacensische Richtung des Mönchtums unterstützte. Sicherlich verbreitete sie in der calwischen Grafenfamilie dieses Gedankengut, das ihr aus ihrer Heimat bereits vertraut war.
Quelle: Irene Göhler: Geschichte einer Stadt: Die Grafen von Calw; Stadtarchiv, 2006 - https://rathauscalw.de/wp-content/uploads/2024/10/Blaue-Reihe_Ausgabe-08.pdf